Adventgedanken von Kardinal König

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Acht Jahre hindurch – von 1995 bis 2003, dem Jahr vor seinem Tod – hat Kardinal König bei der "Mariazeller Matinee", einer vorweihnachtlichen Benefizveranstaltung für die Restaurierung und Erhaltung der Basilika Mariazell, Adventgedanken vorgetragen.
Mariazell war für Kardinal König seit früher Kindheit ein besonderer Ort: "Es war in den frühen Tagen meiner Kindheit", erinnerte er sich noch im hohen Alter, "als meine Eltern mich mit der Mariazellerbahn zum ersten Mal mitnahmen nach Mariazell, damals öffnete sich mir eine neue Welt: die große Kirche mit dem altehrwürdigen Muttergottesbild." Mit Blick auf das "Marizeller Manifest" im Vorfeld des großen Katholikentages von 1952 betonte der Kardinal: "Von Mariazell sind Signale ausgegangen, die bestimmend wurden für den Weg der Kirche, bis in unsere Tage". Und: "Für mich wurde Mariazell schon früh ein Ort, wo das Trennende zurücktrat und über nationale Grenzen hinweg die höhere Einheit erfahren wurde."

Seine Adventgedanken waren all die Jahre hindurch ein verlässlicher und zugleich besinnlicher Höhepunkt. Wir laden unsere Besucherinnen und Besucher ein, in der Zeit der Erwartung der Geburt Christi den Gedanken, die Kardinal König ausgesprochen hat, in der Stille nachzusinnen.

 

© A. Fenzl



Gedanken zum zweiten Adventsonntag

Mariazeller Matinée 1998:

In unserer Zeit, in der man alles für Geld kaufen kann, - aber nicht alle können es, - in dieser Zeit ist Weihnachten, was es sein sollte, in Vergessenheit geraten. Auch die vielen Geschenke geben keine Antwort auf die Frage: Ja, welchen Sinn hat das alles für mein Leben selber zu guter Letzt? Man sucht nach einer Orientierung, an die man sich halten kann.

Karl Rahner, der Innsbrucker Professor der Theologie, später in München und Münster, hat zeit seines Lebens in seinen vielen Schriften versucht, dem von Fortschritt und Technik geprägten Menschen unserer Tage die Sinnfrage zu deuten. Viele haben auf ihn gehört und hören noch heute, mehr als zehn Jahre nach seinem Tod, auf ihn.

Ich möchte auch Sie jetzt einladen, hier, bei unserer festlichen Mariazeller Matinee, ein paar Minuten auf ihn zu hören.

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Karl Rahner

Karl Rahner: Laßt uns auf die abenteuerliche Reise des Herzen zu Gott gehen.

Laßt uns auf die abenteuerliche Reise des Herzens zu Gott gehen! Laßt uns laufen! Laßt uns vergessen, was hinter uns liegt. Es ist noch alles Zukunft. Es sind noch alle Möglichkeiten des Lebens offen, weil wir Gott noch finden, noch mehr finden können. Nichts ist vorbei und dem verloren, der Gott entgegenläuft, dessen kleinste Wirklichkeit größer ist als unsere kühnsten Illusionen, dem Gott, der die ewige Jugend ist, in deren Land keine Resignation wohnt. Wir wandern durch die Wüsten. Herz, verzage nicht.

Der Stern ist da und leuchtet. Die heiligen Bücher sagen, wo der Erlöser zu finden ist. Die sehnsüchtige Unruhe treibt. Sag’ selbst: Steht der Stern nicht still am Firmament deines Herzens? Er ist klein? Er ist fern? Aber er ist da. Er ist nur klein, weil du noch weit zu laufen hast! Er ist nur fern, weil deiner Großmut eine unendliche Reise zugetan wird. Aber der Stern ist da! Auch die Sehnsucht nach Freiheit des inneren Menschen, nach Güte, nach Seligkeit, auch das Bedauern, ein schwacher, sündiger Mensch zu sein, ist ein Stern. Warum schiebst du selbst die Wolken vor den Stern? Die Wolken der Verdrossenheit, der Enttäuschung, der Bitterkeit des Versagthabens, die Wolken höhnischer oder resignierter Worte über die ausgeträumten Träume seliger Hoffnung? Gib die Wehr auf: Der Stern leuchtet. Er steht an deinem Himmel, und auch dein Trotz und deine Schwachheit löschen ihn nicht aus.

Wie soll ich laufen? Das Herz muß sich bewegen! Das betende, das verlangende, das schüchtern, aber ehrlich in guten Werken sich übende Herz, das läuft, das wandert Gott entgegen, das Herz, das glaubt und sich nicht verbittern läßt, das Herz, das die Torheit der Güte für gescheiter hält als die Schlauheit des Egoismus, das Herz, das an die Güte Gottes glaubt, das Herz, das seine Schuld sich von Gott liebend vergeben lassen will, das sich von Gott überführen läßt seines geheimen Unglaubens und das sich darüber nicht wundert, sondern Gott die Ehre gibt und bekennt - ein solches Herz hat die abenteuerliche Reise der königlichen Herzen nach Gott angetreten.

Und dazu, wie jedes Jahr, wieder die Stimme des Propheten Jesaia, aus dem 8. vorchristlichen Jahrhundert Die Leuchtkraft seiner Bilder, die Wucht seiner Sprache, hat niemand später wieder erreicht. Er wurde für Israel ein Zeichen der Hoffnung, daß ein Erlöser kommen wird. Auch er wollte, auf seine Weise, auf die Sinnfrage seiner Zeit eine Antwort geben.

Jesaia 2, 1 - 5: Jerusalem als Mittelpunkt des messianischen Reiches

Am Ende der Tage wird es geschehen: Der Berg mit dem Haus des Herrn steht fest gegründet als höchster der Berge; er überragt alle Hügel. Zu ihm strömen alle Völker.

Viele Nationen machen sich auf den Weg. Sie sagen: Kommt, wir ziehen hinauf zum Berg des Herrn, und zum Haus des Gottes Jakobs. Er zeige uns seine Wege, auf seinen Pfaden wollen wir gehen. Denn von Zion kommt die Weisung des Herrn, aus Jerusalem sein Wort.

Er spricht Recht im Streit der Völker, er weist viele Nationen zurecht. Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern und Winzermesser aus ihren Lanzen. Man zieht nicht mehr das Schwert, Volk gegen Volk, und übt nicht mehr für den Krieg.

Ihr vom Haus Jakob, kommt, wir wollen unsere Wege gehen im Licht des Herrn.

Damit wünschen wir allen unseren Besucherinnen und Besuchern einen schönen zweiten Adventsonntag!

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Mariazeller Matinée 1997:
"In seiner Hand sind die Tiefen der Erde, sein sind die Gipfel der Berge
"

(Gedanken von Kardinal König zum ersten Adventsonntag)



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