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er hat nicht geschwiegen, nicht den mund gehalten, sich nicht verbiegen lassen, wenn es darum gegangen ist, werte zu leben und werte auszusprechen. er war da modern im guten sinne des wortes, wo es die katholische kirche öfter sein sollte: einstellung zur sexualität, zölibat, empfängnisverhütung etc., und dort konservativ im guten sinne des wortes, wo es die gesellschaft, die politik öfter sein sollten: menschenrechte, asylrechte, rechte der kinder, ost- und mitteleuropäische politik. auch wir junge menschen werden mit kardinal könig jemanden schmerzlich vermissen, einen menschen, der in österreich allzu oft und in zu vielen bereichen fehlt, einen menschen, der eine moralische autorität ist auf natürliche weise. [ok] s.w.
Die Vorbildwirkung, Versöhnung, Toleranz des Kardinals in politisch wie innerkirchlich immer schwierigeren Zeiten war einzigartig! Sein unerschütterlicher Glaube beeindruckte Suchende aus allen Lagern und Religionen.[kb] H.F.
Als ich 11 Jahre alt war, besuchte Kardinal König meine damalige Schule. Wir sollten unsere Religionshefte abgeben, König würde in jedes etwas hineinschreiben. Nur ich durfte meines nicht abgeben. Ich hatte keinen Einband am Heft, nach Aussage meines Religionslehrers: nicht würdig genug. Ich war todtraurig! Alle Mitschüler wurden von Kardinal König aufgerufen und wurden gelobt wegen ihrer schönen Zeichnungen und Hefte. Als alle durch waren, bemerkte er mit seinem scharfen Blick, dass ich als einzige nicht bei ihm war. Er winkte mich zu ihm und fragte nach meinem Heft. Ich sagte, ich dürfe es ihm nicht geben, weil es eben keinen Einband hat. Ich gab es ihm. Er nahm dieses unwürdige Religionsheft und schaute es sich genau an. Dann schrieb er etwas in das Heft: Gott schütze Dich auf all Deinen Wegen. Er legte seine Hand auf meinen Kopf und segnete mich. Ich bin heute 45 Jahre alt! Diesen Tag habe ich nie vergessen. Das Heft habe ich heute noch. Es sagt mir, nicht das Äußerliche zählt, sondern das, was innen ist. Das hat mir Kardinal König mit 11 Jahren beigebracht. Und so lebe ich heute noch. Danke! [ok] S.O.
Kardinal König hat mir auf meinem Weg zum Priester und als Priester viel Mut gemacht: Mut zur Offenheit, Mut, anstehende Dinge anzugehen, Mut zum Dialog ... Oktober 2003 hat er mich einmal persönlich angerufen und wollte 10 Minuten einfach hören, wie es in der Pfarre so geht und wie es mir da als Pfarer von Amstetten Herz Jesu geht. Ich war völlig überracht über diesen Anruf, intuitiv bin ich da von meinem Sessel aufgestanden, während ich mit dieser Persönlichkeit sprechen durfte. ... Ich danke Gott für Kardinal König! [ok] P. Hermann Sandberger SDB, Amstetten
Wenngleich auch er Fehler in seiner Amtsführung machte: Er war ein Mensch - mit allen Unzulänglichkeiten und viel mehr Stärken, die er in umsichtigem pastoralem Wirken, im Dienst für die Menschen einzusetzen wusste. Vor ein paar Jahren wurde mir die Möglichkeit zuteil, mit Ihnen, diesem bescheidenen Diener an den Menschen, dem Seelsorger, ein Vieraugengespräch führen zu dürfen, das mir immer in Erinnerung bleiben wird: Mit dieser sehr privaten und intensiven Audienz haben Sie vermutlich die Saat zur Normalisierung in meinen Familienbeziehungen mit und zu meiner Herkunftsfamilie gelegt, der Sie aus beruflichen Gründen verbunden waren. - Ich danke Ihnen dafür. Dafür auch, dass mich Ihr Wirken mehr als vier Jahrzehnte meines Lebens begleitet hat. [ok] E.
Als Sozialdemokrat danke ich Ihnen für das neue Verhältnis zwischen Kirche und SPÖ. [ok] F.E.
In stillem Gedenken an einen großen Kirchenfürsten und überzeugten Europäer. [kb] Dr. Jacques Santer, fr. Premierminister Luxemburgs, fr. EU-Kommissionspräsident
Danke, dass Sie uns nach dem 2. Vatikanischen Konzil so viel Hoffnung gegeben haben, und seien Sie weiter ein Fürsprecher bei Gott für "Ihre" Kirche Österreichs und in der ganzen Welt. [kb] G.K.
Wenn am Sarg Kardinal Königs orthodoxe Christen Totenandacht halten, im Begräbnisgottesdienst der evangelische Bischof das Wort Gottes verkündet und ein Vetreter des Judentums im Psalm den Herrn als den Hirten preist, dann ist die Hoffnung groß, dass die Saat, die Kardinal König gesät hat, wächst und reift und vielfache Frucht bringt, damit sie alle eins seien. [ok] H.B.
Vom plötzlichen Ableben Kardinal Königs zutiefst getroffen, schließt sich auch die Judenschaft dieses Landes den unübersehbaren Reihen der Menschen an, die angesichts des unersetzlichen Verlustes ihr Haupt in Trauer neigen. Ja, von uns ist ein wahrer Freund gegangen, ein Freund, für den das Diktum des 2. Vatikanischen Konzils vom Juden als älteren Bruder der Christenheit gelebte Wirklichkeit war, für die einzustehen er nimmer müde wurde. Offen legte er Zeugnis dafür ab, dass das europäische Erbe im Grunde ein jüdisch-christliches ist und dass der Antisemitismus keinen Platz mehr haben dürfe in den Herzen der Menschen und in der Gesellschaft. Kardinal König wird uns allen fehlen, und jeder Tag wird uns schmerzlicher die Größe des erlittenen Verlusts vor Augen führen. Möge uns der dem Talmud entnommene Satz trösten, dass es der durch den Menschen selbst erworbene gute Name ist, "der ihm am schönsten steht, den er jedoch in Wahrheit erst bei seinem Tode als ein Eigentum zu betrachten vermag ...". [br] Bundesverband der Israelitischen Kultusgemeinden Österreichs Ariel Muzicant, Präsident Paul Chaim Eisenberg, Oberrabiner, Avshalom Hodik, Generalsekretär
Im Jahre 1964 bin ich von Zürich nach Wien geflogen. Zufällig waren Kardinal König und ich die einzigen Passagiere in der ersten Klasse. Als ich gesehen habe, dass der Herr Kardinal bei einem Glas Whiskey saß, habe ich mich getraut und bat die Stewardess, ihm meine Visitenkarte zu geben und zu fragen, ob ich mich zu ihm setzen darf. ... Der Herr Kardinal deutete lächelnd, dass ich zu ihm kommen soll. In den folgenden 40 Jahren meines Lebens bin ich, beruflich und privat, sehr viel in der Welt herumgeflogen, aber ich habe nie wieder so einen interessanten und interessierten Flugnachbarn gehabt. Es war für ihn einfach interessant, mit jemanden zu sprechen, der der Sohn eines moslemischen Vaters aus Bagdad und einer römisch-katholischen Mutter aus Wien ist. Meine Eltern haben sich im Wien der dreißiger Jahre kennen gelernt, ich bin in Wien geboren und in Bagdad aufgewachsen, wo meine Mutter den Großteil ihres Lebens verbracht hat. Bagdad und die arabische Welt waren damals viel toleranter als jetzt. Ich denke gerne zurück an die Worte meiner Mutter, dass ich auf dieser Reise gesegnet war. Ich habe es auch gefühlt. Jetzt ist Kardinal König auf seiner letzten Reise, und die Gebete eines Moslems begleiten ihn. [ok] E.A.-A.
Als Buddhistin kann ich mit der Kirche nicht viel anfangen. Dennoch war Kardinal König jene Persönlichkeit, die ich bedingungslos verehrt habe. Das Gesicht eines Menschen verät sehr viel über sein Wesen. Im Gesicht des Kardinals waren nicht nur seine Intelligenz und Weisheit, sondern die Güte, die Toleranz sowie seine unvergleichliche Menschenfreundlichkeit zu sehen. [ok] M.
Ich möchte als Nichtchrist meine schon jahrzehntelange Wertschätzung für Kardinal König zum Ausdruck bringen. Ganz ungemein beeindruckt hat mich in seinem Lebensrückblick sein Eingeständnis, dass er nicht eine Viertelstunde untätig sein konnte, sondern pausenlos an seiner geistigen Weiterbildung gearbeitet habe. Diese Verbindung von pausenloser intellektueller Arbeit an sich selbst und gleichzeitig einer großen inneren Gelassenheit war einzigartig an ihm. [ok] M.W.
Wenn das Ableben eines Kardinals einen Atheisten in Trauer und Tränen stürzt, dann starb nicht irgendein Kirchenfürst - dann starb der König. [ok] M.T.
zitiert nach: Vorbild und Brückenbauer. Aus den Kondolenzschreiben zum Tod von Franz Kardinal König (1905-2004), hrsg. vom Amt für Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation der Erzdiözese Wien, 2004
Quellen: [br] Briefe an Kardinal Christoph Schönborn und das Wiener Domkapitel [kb] Kondolenzbücher im Bereich des Stephansdoms [ok] Online-Kondolenzbuch auf stephanscom.at
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