Sommermeditation - Lebensrituale

© K. Weissensteiner

Der Sommer kann – für diejenigen, die es schaffen, sich aus dem Korsett der tatsächlichen und vermeintlichen Verpflichtungen zu befreienen – eine Zeit der Muße, der Entschleunigung, des "zu sich selbst findens" sein. Leider gelingt das immer weniger Menschen wirklich.

Kardinal König ist es gelungen – nicht nur im Sommer, sondern eigentlich immer. Darum haben viele Menschen Kardinal König in ihrer Erinnerung als einen in sich ruhenden Zeitgenossen, der unaufgeregte Freundlichkeit und Sicherheit ausstrahlte und der bis in seine letzten Tage imstande war, seinem Gegenüber das Gefühl zu vermitteln, daß er alle Zeit der Welt genau für diese Stunde der Begegnung mit ihm aufgespart habe und daß diese Begegnung nie banal, sondern durchaus von Bedeutung für beide, auch für ihn, werden könnte.

Selten hat man den Kardinal in Eile erlebt. Wenn man an ihn denkt, dann ist da vor allem Ruhe, Kraft und Konzentration. Woher kam diese Ruhe, woher diese Kraft, die ihn bis zuletzt nicht verlassen hat?

 

© A. Fenzl

Die große Ordnung


Jeder Mensch hat eine Grundmelodie seines Lebens. Die Lebensmelodie Kardinal Königs ertönte erstmals an jenem Ostermorgen des Jahres 1927 oder 1928, als er, der sich als Student des Germanikums seines weiteren Lebensweges noch nicht sicher, nach dem Studium der Metaphysik des Aristoteles und des Kommentars des hl. Thomas von Aquin dazu, plötzlich erkannte: "…es steckt ein Strukturprinzip im Weltall, eine große Ordnung, vom Mineral ausgehend bis hin zu Gott. Das Sein wird auf jeder Stufe durch eine Kraft bewegt, die nicht aus ihm kommt, Gott allein ist das einzige Sein, das seine Kraft aus sich schöpft. Alles kommt von Gott, diesem "motor non motus", den niemand antreibt und der doch die ganze Schöpfung und alle Geschöpfe in diese Bewegung mit hineinzieht."

Dieser "großen Ordnung" hatte Kardinal König von damals an in seinem Leben einen besonderen Platz eingeräumt. Von diesem Augenblick an, da sich offenbar auch sein Lebensweg entschied, hat die von Gott gefügte Ordnung aller Dinge auch sein Leben untermauert. Er lebte gemäß dem antiken Sprichwort: "Serva ordinem et ordo servabit te"- übersetzt: "Diene der Ordnung, und die Ordnung wird dir dienen".

Seinem späteren Lebensweg sollte diese Grundhaltung sehr zugute kommen. Als Erzbischof von Wien erfüllte er durch fast 30 Jahre hindurch ohne besondere Ermüdungserscheinungen und – bis auf eine Blinddarmentfernung im Urlaub so nebenbei und seinen schweren Unfall vor Varazdin im Februar 1960 – auch ohne besondere gesundheitliche Probleme, heute kann man wohl sagen, nahezu alle in ihn gesetzten Erwartungen und Hoffnungen als letztverantwortlicher Hirte einer der größten Diözesen der Welt; daneben leitete er durch 16 Jahre hindurch ein römisches Sekretariat, was regelmäßige Sonderaufgaben, Reisen rund um die Welt, Symposien, oftmals schwierige Kontakte usw. zur Folge hatte.

Daß er dies alles ohne größere gesundheitliche Probleme bewältigte, hatte seinen Grund wohl in seiner unglaublich geordneten Lebensführung. Er hat – bewusst und unbewußt – eine Ordnung für die Seele, für den Geist und für den Körper angestrebt und diese drei dann virtuos miteinander verbunden. Zum Beispiel täglich – und das bei nahezu jedem Wetter – zu einer ähnlichen Stunde gehen und beten und denken, und das immer eine genaue Zeitspanne lang. Eine dreiviertel Stunde dauerte sein ganzer Rosenkranz auf dem Dach des Spitals der Barmherzigen Schwestern, bei dem er zugleich seine genau berechneten Gehrunden auf dem begrenzten Areal drehte. Die Ordnung der Seele und daher auch die Ordnung des Körpers als Vehikel der Seele, wie er oft scherzend sagte, waren ihm sehr wichtig. Sie war ihm auch wichtig als Voraussetzung für ein geordnetes Leben aus dem Glauben. Er pflegte seinen Lebensrhythmus nach den Lehren des Kohelet (3,1-8) – "alles hat seine Zeit" – das menschliche Leben fließt nicht so einfach dahin, es hat einen Rhythmus des Tages, des Jahres, der Lebenszeit. Man muß ihn entdecken und auf ihn hören, dann kann man ihn auch bewusst mitgestalten.

 

© A. Fenzl
Kardinal König - Bergmesse

Rituale für die Seele


So gesehen, könnte man den von Ordnungsritualen bestimmten Tageslablauf von Kardinal König – der aber nie so weit ging, daß andere davon beeinträchtigt wurden und der natürlich nur dann so ablief, wenn er zu Hause war und keine auswärtige Verpflichtung hatte – in etwa so beschreiben: da er zuerst und vor allem Priester war, pflegte er auch spezielle priesterliche Rituale. Das zeigte sich dann vor allem an den vielen kleinen Dingen, die sein priesterliches Leben betrafen.

Zu seinen Ritualen für die Seele, den speziell priesterlichen Ritualen gehörte – von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen – die tägliche Meßfeier; manchmal kann man heute hören: "Ich brauche einen zelebrationsfreien Tag" – Kardinal König hat solche Meinungen nie kommentiert, aber er hat es anders gehalten, er gehörte auch nicht zu jenen, die sich im Urlaub "vom zelebrieren erholen müssen"; die Feier der Eucharistie war für ihn lebensnotwendig, gab ihm Lebenskraft, in seinen letzten Tagen sprach er es dann auch klar und deutlich aus: "Daraus lebe ich!"

Die entsprechenden Tagzeiten des Breviergebetes betete er in der Regel abwechselnd in verschiedenen Sprachen, wo er das Gute mit dem Nützlichen verband. Sein Sinn für das Praktische kam dabei nicht zu kurz. Er war ein großes Sprachentalent und hatte sich im Lauf der Zeit angewöhnt, sein Brevier einen Monat in deutscher, den nächsten Monat in englischer, dann in französischer und den vierten Monat in italienischer Sprache zu beten – er besaß alle Ausgaben – und pflegte zu sagen: "Der liebe Gott versteht mich in allen Sprachen und ich bleibe in Übung!"

© A. Fenzl
Kardinal König am Dach des Krankenhauses - Breviergebet

Er betete sein Brevier am Morgen gleich anschließend an den Gottesdienst in der Sakristei, weil die Erfahrung ihn gelehrt hatte, wie schnell sich etwas scheinbar Wichtiges dazwischen schieben konnte; er betete es abends, oftmals im Schein der Leselampe, wo er im dunklen Raum gelegentlich darüber einschlief, durch den dumpfen Laut des zu Boden gefallenen Buches aufschreckte und mit einem entschuldigenden Lächeln weiterbetete.

Das Angelusgebet zu Mittag trennte den Vormittag vom Nachmittag und erinnerte in der Geschäftigkeit des Alltags an das Wesentliche im Leben.

Den Schlusspunkt jedes Tages bildete ein nächtlicher Besuch in der Kapelle des Altenheimes, um die Seele auf die Nachtruhe vorzubereiten. Auf seinem Nachtkastel lag als einziges Buch das Neue Testament – ein Kapitel als tägliche Lektüre vor dem Einschlafen – ein Ritual der Vertiefung. Profane Bücher blieben im Wohnzimmer: "Die Seele muß zur Ruhe kommen" war seine Begründung.

Wichtig war ihm auch der Rückblick über den Tag. Er hat sich immer bemüht, wenn möglich, nie über Nacht mit irgendjemandem unversöhnt zu bleiben. Den Tag gut abzuschließen, Unfrieden schade zuallererst der Seele, der des anderen ebenso wie der eigenen. Er hat überhaupt versucht, Meinungsverschiedenheiten nie so groß werden zu lassen, daß sie ein Eigenleben entfalten konnten – was nicht bedeutet, daß er nicht notwendige unterschiedliche Auffassungen auszuhalten willens und imstande war. Er war nur der Ansicht, man sollte diese beizeiten domestizieren und sich nicht in der Beobachtung ihrer Entfaltung gefallen. Es hatte wohl etwas mit "sich selbst nicht so wichtig nehmen" zu tun. Der Lohn dafür ist eine Seele ohne Gift.

Ein unvergessliches geistliches Ritual war sein mit einer Kniebeuge verbundener Gruß des Allerheiligsten auf dem Wiener Neustädter Altar des Stephansdomes, den er nie vergaß, wenn er, aus dem Erzbischöflichen Palais durch das Adlertor den Dom betretend, diesen durchqueren musste, um in die untere Sakristei zu gelangen. Mit fortschreitendem Alter sich immer öfter auf das Geländer beim Katakombenabgang stützend, musste er sich in seiner letzten Lebenszeit mit einer Verbeugung begnügen, aber den "Hausherrn" im Tabernakel zu grüßen hat er nie vergessen, ebenso wie anschließend die Verneigung im Mittelschiff in Richtung Hauptaltar, dem Sinnbild Christi.

 

 

© A. Fenzl

Rituale für den Körper

 

Seine Rituale für den Körper manifestierten sich vor allem in seinen Eßgewohnheiten und seinem Bewegungsdrang. Irgendwann einmal, wohl schon in seiner Kaplanszeit, hatte er erkannt, daß er zur Übergewichtigkeit neigen könnte, wenn er die Zügel schleifen ließ. Und so beschloss er, sich mit der Nahrungsaufnahme zurückzuhalten. Er begründete diesen Entschluss damit, daß es kein gutes Bild mache, wenn ein Pfarrer zu dick sei. "Ab einem gewissen Alter ist man, wenn man nicht krank ist, verantwortlich für seinen Körper" war sein Grundsatz und: "Wir müssen versuchen, gesund zu leben, aus Dankbarkeit und Verantwortung unserem Schöpfer gegenüber!" Und er setzte sein Vorhaben konsequent auch in die Tat um, auf den Punkt gebracht durch die alte Regel: "Frühstücke wie ein Kaiser, iß mittags wie ein Bürger und abends wie ein Bettler". Das "kaiserliche" Frühstück bestand vorwiegend aus frischem Obst und Gemüse in großen Mengen und wurde begleitet von der Lektüre von fünf Tagszeitungen, darunter eine englische und eine französische, sowie den Nachrichten in englischer und französischer Sprache auf Ö1. – sein tägliches Ritual des Interesses für die Welt.

Das Mittagessen aus der Spitalsküche der Barmherzigen Schwestern nahm er gewöhnlich gemeinsam mit anderen geistlichen Herren ein. Zu Hause ließ er das Abendessen ausfallen. Durch seinen Beruf war er allerdings oft gezwungen, den Abends in Gesellschaft zu verbringen, aber er schaffte es mit zunehmender Virtuosität, einen ganzen Abend lang, auch bei festlichen Staatsbanketten, die sich ja gewöhnlich über Stunden hin zogen und wo er in der Regel neben der Gattin des Gastes zu sitzen kam, mit einer Forelle oder ähnlichem als Vorspeise durchzuhalten. Im Lauf der Zeit wurde dieses sein Prinzip, nicht zuletzt durch die Medien, bekannt und das verhalf ihm in solchen Situationen zu einer zunehmenden, mit Anerkennung gemischten Toleranz, die sonst kaum jemandem zugestanden wurde.

Die einzige Ausnahme von dieser Regel bildete mit zunehmendem Alter hin und wieder ein gutes Glas Rotwein in einem entsprechend großen schönen Glas, oft begleitet von einem ruhigen Gespräch.

Bewegung war für ihn nach eigener Angabe lebenswichtig. Wie er immer erzählte, hatte er von Jugend an einen großen Bewegungsdrang. Er fuhr täglich seine genau bestimmte Anzahl von km auf seinem altmodischen klapprigen Zimmerfahrrad – und versuchte das sogar noch nach seinem Oberschenkelhalsbruch.

Er hielt sich, vor allem in seiner aktiven Zeit strikt jeden Mittwochnachmittag frei und ging in wohl bemessenem Tempo den Nasenweg auf den Leopoldsberg hinauf und, nach einem Kurzbesuch in der Kirche, auch wieder hinunter. Er ermahnte auch immer wieder seine Priester, ihren freien Tag einzuhalten. Auf der Dachterrasse des Erzbischöflichen Palais stand ein Tischtennistisch und die Freude am Tischtennisspiel gehörte sozusagen zur Grundvoraussetzung jedes erzbischöflichen Sekretärs. Sein Brevier betete er, immer im Gehen, zumeist des Abends auf der Dachterrasse, später bei den Barmherzigen Schwestern auf dem Dach des großen Krankenhauses.

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Bergwanderung 1989

Und schließlich hielt er jeden Sommer einen mindestens drei- bis vierwöchigen Urlaub in den Bergen Vorarlbergs und der Schweiz, den er – so weit wir uns erinnern können – nur einmal unterbrach – als Papst Johannes Paul I. nach nur 33 Tagen starb und er im August nach Rom zum Konklave fahren musste. Bergsteigen, Tennis spielen und schwimmen hielt ihn fit.

Durch 20 Jahre hindurch nahm er die vier Kinder seiner von ihm im Jahr 1979 in das Erzbischöfliche Palais eingeladenen Vietnamesischen Flüchtlingsfamilie in seinen Urlaub nach Vorarlberg mit – und bewahrte sich selbst damit die nötige Bodenhaftung, die wohl darin gipfelte, daß er – gegen den Willen seiner Umgebung – im Arkadenhof des Erzbischöflichen Palais eine Sandkiste für die Kinder durchsetzte. Er pflegte mit ihnen Umgang auf eine sehr liebevolle Art wie ein echter Großvater – brachte ihnen bei, sie mit "Herr Professor" anzureden, damit sie nicht durch lautes "Eminenz"- Geschrei alle rundum aufmerksam machten. Er kümmerte sich um ihre Ausbildung und die Kinder haben ihn geliebt und es ihm auch gelohnt, indem sie heute alle lebenstüchtige Menschen geworden sind, die mit einem guten Beruf und beiden Beinen im Leben stehen.

Sehr wichtig war ihm die Körperpflege. Er war ein sehr ordentlicher und gepflegter Herr, der mit zunehmendem Alter durchaus gerne Komplimente über seine Erscheinung und sein rüstiges Auftreten entgegennahm. Er hat immer wieder die Verantwortung auch für den Körper betont, nicht nur dem Herrgott gegenüber, sondern auch ganz besonders beim Priester den Menschen gegenüber: "Ein Priester muß auch äußerlich untadelig sein, ein Vorbild" war sein immer wieder geäußerter Grundsatz „Schlampige Priester sind kein gutes Zeichen, - die äußere Ordnung ist ein Spiegel der Seele, der inneren Ordnung."

 

 

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Handgeschriebener Psalm65 - in englisch

Rituale für den Geist


Ordnungsrituale für seinen Geist strukturierten seinen ganzen Tag. Alles sollte sofort geschehen, nichts durfte auf die lange Bank geschoben werden; , ob es nun um die Erledigung der Post, um unangenehme Telefonate, Besuche oder sonst etwas ging, - "…es sind die unerledigten Dinge, die uns krank machen" pflegte er zu sagen. Er selbst hielt sich strikte daran und verlangte das auch von seinen Mitarbeitern, was für diese manchmal anstrengend war. So konnten sich bei ihm keine Postberge auftürmen, die in der hohen Zeit seines erzbischöflichen Daseins, während des Konzils und in der Zeit danach zunehmend drohten. Die tägliche Post wurde auf seinem Schreibtisch nicht alt. Und noch eine Eigenschaft kam ihm zugute, die manchen "Chefs" Schwierigkeiten bereitet – er konnte delegieren. Er vertraute seinen Mitarbeitern, er traute ihnen vieles zu. Ließ sie mit großer Eigenverantwortung arbeiten und mischte sich nur ein, wenn es wirklich gar nicht klappen mochte. Er konnte seine Mitarbeiter gut motivieren.

Er selbst hat nichts, wirklich nichts, vergessen, er schrieb alles auf kleine Zettelchen auf, die er virtuos verwaltete, so dass sie auch immer tatsächlich im gewünschten Augenblick präsent waren; er war unglaublich gewissenhaft und wusste, daß man mit zunehmendem Alter eben Krücken in Form von Notizen braucht und kam diesem Umstand mit fröhlicher Demut nach.

Obwohl die Morgenstunde nicht gerade für ihn erfunden worden war, wie er selbst lächelnd eingestand, war die Arbeitszeit vor dem Mittagessen für ihn die wichtigste – was man am Vormittag nicht mehr beginnt, schafft man an dem Tag nicht mehr, pflegte er zu sagen. Dazu gehörten auch regelmäßige ausgiebige Telefonzeiten, um vor allem mit kranken und alten Priestern Kontakt zu halten.

Noch in seiner aktiven Zeit diktierte er die Berichte nach seinen Visitationen gleich im Auto dem Sekretär, weil er sich da noch am besten erinnern konnte, wie er sagte; er nützte jeden Augenblick voll, er lebte immer ganz in der Gegenwart.

In seinen letzten Jahren sehen wir ihn eigentlich immer an seinem kleinen Arbeitstischchen, wo er seine Texte zunehmend oft mühsam erarbeitete. Allen Vermutungen zum Trotz hatte er keinen Ghostwriter, wie die vielen stenographischen Konzepte seiner Predigten und Vorträge beweisen.

 

© A. Fenzl

Ordnung des Lebens

 

Alle diese genannten Rituale, die alle demselben Prinzip der lebenserhaltenden verantwortlichen Ordnung, untergeordnet waren, konnte er gut untereinander verknüpfen: Man könnte sagen, er pflegte Rituale bewusst in den eigens dafür bestimmten Zeiten für die Seele, für den Geist und den Körper.

All das zusammen ließ ihn sein unglaubliches Arbeitspensum, verbunden mit einer oftmals bedrückenden Verantwortung, durch 29 aktive Jahre hindurch und dann noch fast 20 Jahre im sogenannten Ruhestand, gut überstehen.

Aber seine grundsätzliche Freude am Leben, die ihn bei zuletzt nicht verlassen hat, befähigte ihn auch, die Schönheiten des Lebens ohne Gewissensbisse zu genießen, wenn es an der Zeit war. Manchmal hat man bei sogenannten "guten" Christen den Eindruck, sie sind nur zum Buße tun auf dieser Erde – diese Meinung hat er nicht geteilt. Er war überzeugt: Gott hat den Menschen zur Freude erschaffen.

Im Übrigen hing der Geist des Kardinals aber nicht an irdischen Dingen. Er hat eigentlich nichts wirklich besessen, er hat sich an nichts geklammert. Bei seinen oftmaligen Umzügen sortierte er immer kräftig aus und brachte nur wenig nach Wien mit, er besaß praktisch so gut wie keine eigenen Möbel. Geschenke gab er meist sofort weiter. Wir haben uns oft gedacht, wenn zum Beispiel ein Erdbeben käme und er flüchten müsste, dann würde er Bibel und Brevier, Rosenkranz und das Buch, in dem er gerade las, mitnehmen – vielleicht noch seine Zahnbürste – und er würde gehen. Das gab ihm diese besondere Leichtigkeit des Seins, diese so deutliche "Frei-sein" für Gott und die Menschen.

Und als sein Lebensweg sich dem Ende zuneigte, hat diese lebenslange von einer großen Ordnung getragene Grundhaltung seiner letzten Erdenzeit eine wunderbare und tröstliche Würde geschenkt, die uns, die wir es miterleben durften, die Angst vor dem, was für jeden Menschen sicher kommen wird, fast möchten wir sagen, genommen hat. Im Übrigen hat der Kardinal täglich – und er hat es auch immer betont – um eine gute Sterbestunde gebetet. Und der Gedanke an den Tod muss nicht depressiv machen. Kardinal König war ein lebensfroher Mensch bis zum Schluss. Einen Monat vor dem Tod besuchte er sein letztes philharmonisches Konzert und klatschte begeistert, was die Mitglieder des Orchesters, die ihn von der Bühne aus beobachten konnten  immer besonders freute.

© K.Weissensteiner

 

 

 

 

 

In diesem Sinn wünschen wir allen Besucherinnen und Besuchern unserer Website schöne Sommertage, viel Zeit zum Lesen und Nachdenken und insgesamt eine gute Erholung für Leib und Seele!



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