Die dritte Kerze

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Für den dritten Adventsonntag haben wir den Begriff "Hoffnung" gewählt, denn der Advent ist wie kaum eine andere Zeit im Kirchenjahr eine Zeit der Hoffnung.

Für Kardinal König, der sich Zeit seines Lebens als Wanderer zwischen den Welten gesehen hat, war die Hoffnung im wahrsten Sinn des Wortes "lebens-wichtig". Immer wieder hat er - gerade in der vorweihnachtlichen Zeit - darauf hingewiesen, dass der Advent nicht nur eine Zeit der Sentimentalität bei Kerzenschein in der Geborgenheit einer warmen Stube ist, sondern vielmehr eine Zeit, da wir unseren bisher zurückgelegten Erdensweg auch einmal ernsthaft hinterfragen sollten. Denn Advent bedeutet ja für uns vor allem, in der Erwartung auf das große Ereignis der Weltgeschichte, unsere Zeit gut zu nützen, für uns und für andere, und nie zu vergessen, dass wir hier auf Erden Wanderer sind. Mit Gott an der Seite werden wir sicher bei der Krippe ankommen. Davon war er überzeugt und darauf wollen auch wir fest hoffen!

 

© A. Fenzl


"Hoffnung, Kindheit des Herzens."

Im Dezember 2003, in seiner letzten Ansprache im Rahmen der alljährlichen "Mariazeller Matinée", befasste sich Kardinal König mit der Hoffnung, wie sie Charles Péguy (+1914) in seinem wunderbaren kleinen Büchlein mit dem Titel: "Das Tor zum Geheimnis der Hoffnung" beschrieben hatte. Péguy lässt darin Gott sagen: "Der Glaube, den ich am liebsten mag, ist die Hoffnung. … Sie, die Kleine, schreitet voran zwischen den beiden größeren Schwestern, dem Glauben und der Liebe und man beachtet nicht einmal, dass sie da ist. … Aber sie ist es, die Kleine, die alles mit sich reißt. Denn Glaube sieht nur, was ist. Sie aber sieht, was sein wird. Und Liebe liebt nur, was ist. Sie aber liebt, was sein wird. … Hoffnung, Kindheit des Herzens."

Und im Blick auf das zusammenwachsende Europa fügte Kardinal König – damals wie heute aktuell – hinzu: "Heute braucht Europa nichts so sehr wie die Hoffnung, den Blick nach vorne. - Heute ist Europa in Gefahr, in eine Sackgasse zu geraten, weil nationale Egoismen stärker sind als der Gedanke an das gemeinsame Ganze als Friedensgrundlage des Kontinents.

Dies ist für die Katholiken, für die Christen Europas eine große Chance, zu zeigen, wo heute, inmitten einer pluralistischen Welt die Stärken der grenzüberschreitenden Botschaft des Christentums liegen.

Daher müssen Christen Hoffnungsträger sein. Am Anfang ihrer eigenen Geschichte waren sie Träger der Hoffnung. Warum sonst hätte Petrus in seinem ersten Brief an seine Gemeinden in Asien gemahnt – wörtlich: "Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der euch nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt; aber antwortet bescheiden…" (1 Petr 3,15)

Das heißt, damals sind die Christen als Menschen mit einer Botschaft der Hoffnung offenbar aufgefallen. Ich wünsche uns allen, dass dies auch in unseren Tagen wieder möglich ist."



Die dritte Kerze

Kardinal-König-Kunstpreis 2017 für Kerstin von Gabain

Die zweite Kerze

Die erste Kerze

Kardinal-König-Kunstpreis 2017 an Kerstin von Gabain





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