Kardinal Dario Castrillon Hoyos, Vorsitzender der Päpstlichen Kommission "Ecclesia Dei", kritisiert übertriebene Forderungen im Hinblick auf die Anwendung des Papstdokuments "Summorum pontificum" - Messfeier darf niemals als "Schwert" gegen andere Christen verwendet werden
Die Eucharistie dürfe nie eine "Ursache der Trennung" zwischen Christen sein, unterstrich der Vorsitzende der Kommission "Ecclesia Dei". Die Heilige Messe - in welcher Sprache und in welchem Ritus auch immer sie zelebriert wird - müsse im Dienst der Liebe stehen; niemals dürfe die Messfeier als "Schwert" gegen andere Christen verwendet werden.
Wie Kardinal Castrillon Hoyos bei der Tagung mitteilte, habe seine Kommission den Entwurf von detaillierten Instruktionen zur Umsetzung von "Summorum pontificum" erarbeitet. Der Entwurf liege jetzt Papst Benedikt XVI. vor, der die letzte Entscheidung über die Veröffentlichung der Instruktionen treffen werde.
Bei der Tagung in Rom wurde erklärt, dass vor allem die italienischen Bischöfe das Papstdokument "Summorum pontificum" - mit dem die Messfeier nach dem vorkonziliaren Messbuch von 1962 wieder auf breiterer Basis ermöglicht werden soll - nur zögerlich in die Praxis umsetzen würden. In diesem Sinn äußerte sich auch der aus Luxemburg stammende Kurienprälat Camille Perl, der Vizepräsident der Kommission "Ecclesia Dei" ist; in der Folge berichteten italienische Zeitungen unter dem Titel "Bischöfe boykottieren den Papst" über Perls Äußerungen.
Nach Angaben von Prälat Perl gibt es vor allem in Frankreich, Großbritannien, den Vereinigten Staaten und Australien Interesse an der Messfeier nach "altem Usus". Wesentlich geringer sei das Interesse in Lateinamerika und Afrika.
Der Dominikanerpater Vincenzo Nuara, geistlicher Assistent der in Acireale in der Provinz Catania beheimateten Vereinigung "Giovani e tradizione", meinte im Gespräch mit der italienischen katholischen Nachrichtenagentur SIR, die Wiedergewinnung von "Wert und Schönheit der alten Liturgie" richte sich nicht gegen die Messe Pauls VI., es gehe um einen "zusätzlichen Reichtum". Allerdings erfordere die Zelebration nach "altem Usus" eine entsprechende theologische und liturgische Vorbereitung.
Erzbischof Zollitsch korrigiert Fehlmeinungen
In Deutschland hat der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, Medienberichten widersprochen, dass die deutschen Bischöfe nicht für ein ausreichendes Angebot an Messfeiern nach "altem Usus" sorgen. Wo es "berechtigte Wünsche" gegeben habe, seien die Bischöfe den Wünschen entgegengekommen, sagte Zollitsch bei einer Pressekonferenz am Rand der Vollversammlung des Episkopats in Fulda. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz warf in diesem Zusammenhang einzelnen "Altritualisten" unkorrektes Verhalten vor. Es gebe "Leute, die daran interessiert sind, mehr zu erreichen, als Bedarf da ist".
In den vergangenen Tagen hatte es mehrfach Medienberichte gegeben, nach denen mehrere Diözesen entsprechende Gesuche von Gläubigen verschleppen würden oder nur zögerlich behandelten. Zollitsch wies diese Darstellungen zurück. In einer Reihe von Fällen versuchten interessierte Kreise, gleichsam als "Agenturen" zu agieren und an verschiedenen Orten Messfeiern nach "altem Usus" zu beantragen. Zollitsch kündigte an, nach Abschluss der Vollversammlung am Freitag die Ergebnisse einer Umfrage in den deutschen Diözesen zum Angebot an Messfeiern nach "altem Usus" vorzulegen.