Wenn man die Medienberichte der letzten Wochen verfolgt, aber auch wenn man mit Freunden und Kollegen zusammentrifft, könnte man allmählich den Eindruck gewinnen, als ob es im Zusammenhang mit unserer Kirche nur Negatives zu vermelden gäbe. Als Christ an der sogenannten Basis muss man zunehmend mehr oder weniger plausible Erklärungen und Entschuldigungen für mitunter schwer verständliche Ereignisse bei der Hand haben und manchmal kommt man in einen echten Erklärungsnotstand. Das deprimiert und entmutigt. Wir wollen uns nicht damit abfinden, dass es zurzeit tatsächlich so aussieht, als ob der Sager: "Only bad news are good news" wahr wäre.
Probleme in der Kirche gibt es nicht erst in unseren Tagen. Probleme gab es auch früher. Kardinal König pflegte in solchen Fällen zu sagen: "Das Schlimmste, was wir tun können, ist, den Menschen das Bild einer streitenden, einer zerstrittenen Kirche zu bieten. Wie sollen wir ihnen glaubwürdig von der Liebe Christi erzählen, wenn wir selber nicht imstande sind, einander einigermaßen mit Achtung und Geduld zu begegnen."
Wir sind überzeugt, dass es in unserer Kirche unglaublich viel Schönes und Ermutigendes gibt, dass sich in ihr viele tolle Menschen engagieren, die Tag für Tag einen unglaublichen Einsatz leisten, zumeist unentgeltlich und mit großer Freude. Von ihnen ist kaum mehr die Rede in der öffentlichen Wahrnehmung. Aber wir meinen: Gerade sie gehören vor den Vorhang.
Wir möchten daher einen Versuch starten - einen Versuch ganz im Sinn von Kardinal König - und unsere Besucher einladen, uns auf unserer Website - (im Gegensatz zu anderen websites, die geradezu mit Freude ausschließlich das Negative , wie sie es verstehen, berichten) - zu schreiben, was ihnen an unserer Kirche Freude macht, warum unsere Kirche ihnen wichtig und wertvoll ist. Dabei soll aber nicht vergessen werden, dass unsere Kirche, so wie sie heute ist - eine Kirche, wie Kardinal König immer sagte, die gehört und in der Nähe gespürt wird, eine glaubwürdige Kirche im gesellschaftlichen Raum - erst durch das II. Vatikanische Konzil überhaupt möglich wurde. Schreiben Sie uns, wo Sie in unserer Kirche das Konzil positiv verwirklicht finden! Schreiben Sie uns aber auch, was Ihnen noch fehlt und wie Sie selbst sich in diese Kirche einbringen. Denn, wie Kardinal König immer wieder betonte: "Die schönsten Worte nützen nichts, wenn ihnen nicht das gelebte Beispiel folgt."
Wir wollen gerade in dieser Zeit ermutigende Stimmen hören und weitergeben. Wie gesagt - es ist ein Versuch, um das Negative mit dem Positiven zu besiegen, um wieder in eine Balance zu kommen, um die christliche Mitte zu finden. Wir alle lieben die Kirche und wir möchten es auch keinem anderen grundsätzlich absprechen.
Aber was bedeutet eigentlich: Die Kirche lieben? Kardinal König hat es einmal - im Jahr 1993 für ein Pfarrblatt einer Wiener Pfarre - einfach und schön beschrieben:
"Die Kirche lieben - ja, kann man das überhaupt? Gewiss, darüber wird heute kaum gesprochen. Man redet heute verhältnismäßig oft über die Kirche, aber man denkt dabei - so scheint es mir - weniger an die Gemeinschaft des Glaubens und des Vertrauens auf Gottes Wort, als an eine Institution, die sich für die Armen einsetzen soll und die Maßstäbe für eine moralische Ordnung innerhalb der Gesellschaft verkündet. Der 'liebe Gott', seine Liebe zu uns, bleibt bei einer solchen Vorstellung im Hintergrund und der Mensch mit seinen Fehlern steht im Vordergrund. - Aber, so muß ich gleich hinzufügen: Das ist ein sehr schiefes Bild von einer Kirche, die durch das Eingreifen Gottes in die Geschichte, als Volk aus vielen Völkern, auf das Fundament der Apostel gebaut ist.
Ja, die Vorstellung von einer solchen Kirche, wie wir sie in vielen Zeitschriften, Illustrierten, im Fernsehen und Radio vorgesetzt bekommen, fordert viele zur Kritik heraus. Das beginnt beim Papst, setzt sich fort in den Bischöfen, Priestern, in Gruppeninteressen und Spannungen von sogenannten konservativen oder progressiven Christen. Aber merkwürdig: Jeder Kritiker spricht immer nur über die anderen; er, so scheint es, fragt sich nie selbst: Wie könnte ich es besser machen; was müsste ich in meinem Leben ändern, um der guten Sache besser zu dienen?
Liebe zur Kirche bedeutet nämlich nicht: Liebe zu einem Gebäude oder zu einer nur menschlichen Institution. Liebe zur Kirche bedeutet vielmehr: Dankbarkeit, Geborgenheit, große Wertschätzung für alles, was Gott für jeden einzelnen von uns getan hat. Liebe zur Kirche bedeutet aber auch: Nachsicht und Verzeihen und Großmut für das viele menschliche Versagen in dieser Gemeinschaft. Liebe zur Kirche bedeutet daher weiter: Gottes Plan und Weisung, trotz aller Schwierigkeiten, deutlich zu machen und weiter zu geben durch das eigene Leben.
Liebe zur Kirche heißt ganz einfach: Liebe zu Gott und Liebe zu den Menschen, innerhalb der Kirche - und auch außerhalb."
In diesem Sinn laden wir Sie ein, uns von dem Schönen zu berichten, das Sie mit und durch unsere Kirche erleben - damit wir dadurch vielleicht anderen Mut machen können, die zur Zeit nicht in der Lage sind, das so zu sehen.