aus Anlass 40 Jahre nach 1968
© Die Enzyklika Papst Pauls VI. "Humanae vitae" vom 25. Juli 1968 und die "Maria Troster Erklärung" der Österreichischen Bischofskonferenz vom 22. September 1968

Im September 1968 verfasste die Österreichische Bischofskonferenz als "verantwortliche Hirten" unter dem Vorsitz von Kardinal König eine in der Folge als Maria Troster Erklärung in die österreichische Kirchengeschichte eingegangene Stellungnahme. Das Ziel war, den Gläubigen einige schwierige Punkte der Enzyklika Papst Paul VI., Humanae vitae, welche - leider und sehr zu Unrecht - sehr bald fast ausschließlich unter dem Schlagwort "Pillen-Enzyklika" in der Öffentlichkeit thematisiert wurde, näher zu bringen und zu erläutern.

Aus Anlass der 40jährigen Wiederkehr der Veröffentlichung dieser beiden Texte, welche in den darauffolgenden Jahren fallweise immer wieder Diskussionen auslösten, möchte diese Website, die sich einer "brückenbauenden" Haltung des Dialogs im Sinne ihres Namensgebers verpflichtet fühlt, den Wortlaut sowohl der Enzyklika Papst Pauls VI. vom 25. Juli 1968 als auch jenen der damaligen Erklärung der Österreichischen Bischofskonferenz vom 22. September 1968 - als Beitrag zu einer grundlegenden Information - noch einmal in Erinnerung rufen. Denn, wie Kardinal König immer betonte: es ist wichtig, wenn man - worüber auch immer - diskutiert, die vollständigen Originaltexte zu kennen.

Die Bischöfe von damals haben sich, aus ihrer seelsorglichen Verantwortung heraus, bemüht, in voller grundsätzlicher Zustimmung zum päpstlichen Standpunkt, ebendiesen wie auch das hohe Idealbild einer christlichen Ehe, wie sie letztlich zum Wohl der gesamten Gesellschaft unersetzlich ist, ihren Gläubigen nahezubringen. Sie haben aber auch, angesichts der Lebenswirklichkeit der Menschen und in der Erkenntnis der Wichtigkeit der Aufrechterhaltung der Bereitschaft eines hinhörenden Dialoges zwischen Lehramt und Gläubigen, sowie aus Sorge um die Annahme der gesamten Enzyklika, unter Berufung auf die Ehelehre des Konzils (Gaudium et spes Nr. 50) und auf die Aussagen desselben über das Gewissen (Gaudium et spes Nr. 16: "Das Gewissen ist die verborgenste Mitte und das Heiligtum im Menschen, wo er allein ist mit Gott, dessen Stimme in diesem seinem Innersten zu hören ist") in einem einzigen Satz unter bestimmten Umständen folgende pastorale Hilfestellung angeboten - welche dann leider als einzige Kernaussage des gesamten Textes weitertradiert wurde: "Da in der Enzyklika kein unfehlbares Glaubensurteil vorliegt, ist der Fall denkbar, daß jemand meint, das lehramtliche Urteil der Kirche nicht annehmen zu können. Auf diese Frage ist zu antworten: Wer auf diesem Gebiet fachkundig ist und durch ernste Prüfung, aber nicht durch affektive Übereilung zu dieser abweichenden Überzeugung gekommen ist, darf ihr zunächst folgen. Er verfehlt sich nicht, wenn er bereit ist, seine Untersuchung fortzusetzen und der Kirche im übrigen Ehrfurcht und Treue entgegenzubringen. Klar bleibt jedoch, daß er in einem solchen Fall nicht berechtigt ist, mit dieser seiner Meinung unter seinen Glaubensbrüdern Verwirrung zu stiften."
Übersehen wird aber zumeist die zwei Absätze darunter befindliche Aussage, die sich gegen eine ganz andere Lebenseinstellung wendet und diese - entsprechend der lehramtlichen Position - aus christlich-moralischer Sicht ablehnt: "Wenn aber jemand grundsätzlich aus egoistischer Einstellung die Nachkommenschaft in der Ehe ausschließt, kann er sich nicht von schwerer Schuld frei wissen. Ebenso versteht es sich von selbst, daß jede Art direkter Schwangerschaftsunterbrechung ausnahmslos unter schwerer Sünde verboten ist."

Wer nun beide Texte in offener Gesinnung studiert, wird erkennen, dass weder die Enzyklika Papst Pauls VI., die nicht zuletzt auch auf dem Hintergrund des Jahres 1968 zu verstehen ist, auf die "Verdammung der Pille" reduziert werden darf, noch die Erklärung der Österreichischen Bischofskonferenz als grundsätzliche Relativierung des lehramtlichen Standpunktes und "Freibrief" zu einer allgemeinen Willkür gesehen werden darf, sondern vielmehr als feinfühlender und mutiger Versuch, die realistische Erkenntnis der Lebenswirklichkeit mit pastoraler Verantwortung zu verbinden, um in einem konstruktiven Dialog mit den Gläubigen zu bleiben.

Die Enzyklika Humanae vitae als PDF

Die Maria Troster Erklärung als PDF


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