I
DIE ANKÜNDIGUNG DES KONZILS
VON DER SICHERHEIT DES SICH-VERSCHANZENS ZUR FASZINATION DES SUCHENS
1. „EINE TAT RUHIGEN WAGEMUTS“1
1.1. 25. Januar 1959
"Gewiß ein wenig vor Bewegung zitternd, aber zugleich mit demütiger Entschlossenheit des Vorsatzes spreche ich vor Euch die Bezeichnung und den Vorschlag der doppelten feierlichen Veranstaltung aus: einer Diözesansynode für Rom und eines allgemeinen Konzils für die Weltkirche"2 -
so kündigte Johannes XXIII. am 25. Januar 1959 seinen Entschluß an, ein neues Konzil einzuberufen. Zu diesem Zeitpunkt waren noch keine neunzig Tage seit seiner Wahl zum Nachfolger Pius' XII. vergangen. Zur Konzilsankündigung nutzte der Papst eine kurze Ansprache an eine kleine Gruppe von Kardinalen, die zum Abschluß der Weltgebetsoktav für die Einheit der Christen in St. Paul vor den Mauern versammelt waren. Weiter fügte Papst Johannes XXIII. hinzu, daß Synode und Konzil "auf glückliche Weise zum herbeigewünschten und erwarteten aggiornamento des Codex Iuris Canonici führen werden". Es sind die "leuchtendsten Punkte apostolischer Aktivitat, die diese ersten drei Monate der Präsenz und des Kontakts mit dem römischen kirchlichen Ambiente angeregt haben" in der "alleinigen Perspektive des Heils der Seelen, damit das Pontifikat den 'spirituellen Forderungen' der gegenwärtigen Stunde gerecht werde".
Es war ein "entschiedener Entschluß, um auf einige alte Formen der Lehre und auf kluge Regelungen kirchlicher Disziplin aufmerksam zu machen, die in der Geschichte der Kirche zu Zeiten der Erneuerung Früchte außergewöhnlicher Wirksamkeit hervorbrachten für die Festigkeit der religiösen Einheit, für die lebendigere Flamme des christlichen Eifers".
Es sind keine Berichte über das kurze Konsistorium in St. Paul vor den Mauern bekannt; daher kann auch nichts über die Reaktionen der Anwesenden gesagt werden. Zwei Jahre später sollte der Papst vermerken, daß die Ankündigung von den Kardinalen mit einem "eindrucksvollen, andächtigen Schweigen" aufgenommen worden war. Darüber hinaus kamen auch der Einladung an alle anwesenden und abwesenden Kardinale, "ein vertrautes und vertrauendes Wort zu schicken, das mich hinsichtlich der Einstellung der einzelnen sicher mache und in liebenswürdiger Weise (...) Anregungen bieten möge bezüglich der Durchführung", nur wenige nach, und fast alle mit kühlen und oberflächlichen Worten. Die Verwirrung dieser Prälaten hat glaubwürdige Erklärungen. Das Konklave hatte (am 28. Oktober 1958) Kardinal Roncalli im Vertrauen auf ein Pontifikat "des Übergangs" gewählt, d. h. man ging davon aus, daß es nur von kurzer Dauer sein würde und dazu bestimmt sei, in aller Ruhe die Traumata der langen und dramatischen Regierung von Pius XII. zu tilgen.
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1 So betitelte La Croix vom 30. Januar 1959 einen Kommentar von A. Glorieux zur Ankündigung des Konzils.
2 Zum kritischen Text der Ansprache: A. Melloni, "Questa festiva ricorrenza". Prodromi e preparazione del discorso di annuncio del Vaticano II (25. Januar 1959), in: RSLR 28 (1992), 607-643. In den vorbereitenden Fassungen hatte der Papst stets "allgemeines Konzil" geschrieben, während in der offiziellen Fassung "ökumenisches Konzil" erscheint - eine qualitative Aufwertung, die sehr wohl die nicht-römischen Kirchen stören mußte. Es gibt keine Informationen über die eingetretene Änderung im Vergleich zur Urschrift des Papstes; sicher ist, daß der Wechsel zur Terminologie des kanonischen Rechtskodex viele Unschlüssigkeiten und Irrtümer in sich barg, die die ersten auf die Ankündigung folgenden Monate wohl gekennzeichnet haben.
Homepage von Radio Vatikan, 24.01.2009:
Vor 50 Jahren: Ankündigung des Konzils
Homepage der Kathpress, 24.01.2009:
Papst hebt Exkommunikation der lefebvrianischen Bischöfe auf
Homepage der Kathpress, 25.01.2009:
Lefebvrianer: "Niemand darf Tradition nach Gutdünken bestimmen"
Wiener Zeitung, 25.01.2009:
Kirchen-Streit um Traditionalisten
DiePresse.com, 25.01.2009:
Versöhnung als Affront: Papst unter heftiger Kritik
DiePresse.com, 25.01.2009:
Kommentar von Paul Kreiner
Die Presse.com, 26.01.2009:
Traditionalisten heimgeholt: Quo vadis, Benedikt?
Homepage der Kathpress, 26.01.2009:
Lefebvrianer bleiben bei ihren Überzeugungen
Kath.net, 27.01.2009:
Williamson und die 'Neo-Modernisten' in Rom
Kath.net, 27.01.2009:
Wir bitten den Heiligen Vater um Entschuldigung
Homepage von Radio Vatikan, 27.01.2009:
"Nach falschem Drehbuch"
DiePresse.com, 28.01.2009:
Leitartikel von Michael Prüller
Homepage der Kathpress, 28.01.2009:
Lefebvrianer distanzieren sich von Holocaust-Leugnung
Kath.net, 28.01.2009:
Bin erschüttert über die Aussagen von Bischof Williamson
Homepage von Radio Vatikan, 28.01.2009:
Papst stellt Forderungen an Piusbruderschaft
Kath.net, 30.01.2009:
Wutanfall von Kardinal Giovanni Battista Re?
Kath.net, 30.01.2009:
Da war das Dekret bereits in den Händen der Betroffenen
Stephanscom, 30.01.2009:
Kardinal Schönborn ortet Fehler in vatikanischer Politik
Homepage von Radio Vatikan, 30.01.2009:
Schönborn sieht Fehler des VatikansKath.net, 29.01.2009:
Williamson-Debatte: Schönborn kritisiert VatikanmitarbeiterDiePresse.com, 30.01.2009:
Holocaust-Leugnung: Schönborn sieht Fehler im Vatikan
Homepage von Radio Vatikan, 31.01.2009:
Bischof Williams entschuldigt sich beim Papst
ORF-Interview von Romy Seidl mit Erzbischof Alois Kothgasser
Hirtenbrief der Diözesanbischöfe Österreichs vom 16. Februar 2009
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