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Kardinal Franz König. Nicht nur ein Name, sondern vielmehr ein Begriff. Er fehlt mir sehr, als Vater und Freund. Ich habe ihn fast vierzig Jahre gekannt. Zuerst war er ein Vater und später hat er mich zu seinen Freunden gezählt. Er war eine Leitfigur, die mein Leben und Wirken besonders geprägt hat. Er war eine Schule, wo man in der Praxis sehen konnte, was Verantwortung und Konsequenz bedeutet im Umgang mit dem Anderen und mit dem Anderssein. Er war ein wahrer Kirchenfürst im Geiste des Dienstes für das Volk Gottes, die Ökumene und das interreligiöse Gespräch.
Ich habe den Kardinal aus nächster Nähe erlebt und viele Erinnerungen aus gemeinsamen Reisen im Dienste der Ökumene werden mich für immer begleiten, und seine Vorgangsweise, besonders bei heiklen Missionen, wird mich stets inspirieren. Da war sein Glaube zu spüren, die Aufrichtigkeit und der Respekt vor seinen Dialogpartnern, seine Demut und seine große Fähigkeit, sich der jeweiligen Situation anzupassen, ohne etwas von seiner Würde zu verlieren. Im Gegenteil, er ist dadurch in den Augen seiner Gastgeber oder Gäste gewachsen. Für viele Orthodoxe war seine Persönlichkeit repräsentativ für den ökumenischen Geist des II. Vatikanischen Konzils und der Wende in der Haltung der römisch-katholischen Kirche der Orthodoxie gegenüber. Pro Oriente hat nicht nur seine Unterschrift getragen, sondern wurde als "seine" Stiftung betrachtet und entsprechend behandelt und geschätzt. Sie wurde schließlich zum einmaligen "laboratorium" der christlichen Einheit und sowohl für das Ökumenische Patriarchat als auch für die anderen orthodoxen Kirchen die Öffnung der Orthodoxie zum Westen. König hatte als erster Kardinal den Ökumenischen Patriarchen Athenagoras inoffiziell besucht und bis zu seinem Tod war er ein stets willkommener und hochgeschätzter Gast im Phanar. Diese Wertschätzung dem unvergeßlichen Kardinal gegenüber führt während dieser Tage den Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. nach Wien, um aus Anlaß des dritten Todestages seiner zu gedenken und den von der Stiftung Communio et Progressio ihm verliehenen Kardinal König-Preis zu empfangen. Eine Geste, die nicht mit Formalitäten zu tun hat, sondern vielmehr aus der Liebe des Herzens entspringt, die Liebe aus dem Herz sprechen läßt.
Die Ökumene war für den Kardinal ein Herzensanliegen. Wir sind Gott dankbar, daß wir in Österreich in einer "paradiesischen" ökumenischen Situation leben. Und nach Gott verdanken wir dies Kardinal König, denn sein Geist, seine Gesinnung, seine Einstellung waren bahnbrechend und sie verpflichten uns, den Weg, den er eingeschlagen hat, weiterzugehen.
Es wäre jedoch ungerecht, die Größe und Wichtigkeit der Persönlichkeit von Kardinal König nur auf Grund seiner Verdienste um die Ökumene zu bemessen. Alle haben den großen Kardinal Franz König nicht nur als den Förderer der Ökumene, sondern auch als den besorgten Oberhirten der Erzdiözese Wien, den verdienten Diplomaten im Kalten Krieg, den weit vorausblickenden (progressiven - das ist nicht ein so gut besetztes Wort!) Konzilsvater und späteren Kurienkardinal, den profunden Religionswissenschaftler, den Bischof des weiten Horizonts und des Dialoges mit allen Menschen gekannt. Überall, wo die Kirche ihn gerufen und gebraucht hat, hat er vorbildlich gearbeitet, Geschichte geschrieben und bleibende Erinnerungen hinterlassen. Diejenigen, die ihn näher kennenlernen konnten oder durften - ich hatte diesen großen Segen - wissen, daß er in erster Linie ein Mensch des Gebets war. Die tägliche Feier der Hl. Eucharistie war die Quelle seiner geistigen und spirituellen Nahrung und das Brevier war "sein Freund und Wegbegleiter", während der letzten Jahre in den Abendstunden am Dach seines Wohnheimes und zuletzt im Krankenbett.
Ich weiß, wie sehr Kardinal König für die Kirche, für alle Menschen, für die Ökumene gebetet hat. Das Gebet war ihm ein Bedürfnis, aber auch eine Ausdrucksform seines erlebten Glaubens an Gott und an die Gemeinschaft mit Jesus Christus, "denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen" (Joh 15,5).
Das Gebet hat ihn gestärkt, sein Kreuz als Mensch und Bischof würdig und christlich auf den steilen Weg zu seiner persönlichen Auferstehung und Erlösung zu tragen. Durch das Gebet ist er schließlich zur befreienden Erkenntnis gekommen, daß man den Tod ins Auge fassen und ihn geistig überwinden muß, um den eigentlichen Sinn des Lebens bewußt erfahren zu können.
Der Kardinal suchte im Himmel das Heil und die Freude, besonders jene Freude, die ihm die Kirche und die Welt nicht immer schenken wollten oder konnten. Er hat tatsächlich das Ewige und die Freude in Gott gesucht und gefunden. Der Kardinal war glücklich und sehr selten habe ich Menschen gesehen, die angesichts des Todes so erlöst und befreit waren, wie er.
Kardinal König hat die Freude und die Erlösung der Auferstehung erlebt. Und aus diesem Grund war es ihm ein Anliegen, stets vom auferstandenen Herrn und von der Auferstehung zu sprechen. Es war ihm zu wenig, daß nur in der Osternacht das Geheimnis unseres Glaubens, die Auferstehung, im Mittelpunkt der Predigt steht. Er wollte und wünschte sich, daß die Kirche mehr von einem Gott der Menschenliebe, der Barmherzigkeit und der Erlösung sprechen soll, als von einem strafenden Gott. Er meinte: "Christus ist doch in die Welt gekommen, um den Menschen zu retten und nicht, ihn zu richten, und seine Auferstehung bedeutet, daß wir Christen nicht wie die Anderen sind, die keine Hoffnung haben." Und in diesem Sinne fand er als einen großen Fehler in der Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, die Umbenennung der "Entschlafenen" in "Toten".
Viele Erinnerungen und Erlebnisse aus einer sehr langen Zusammenarbeit und Freundschaft. Aber auch eine bleibende Aufforderung. Als ich ihn nämlich mit Kardinal Schönborn und in einem kleinen Kreis ihm vertrauter Personen am Krankenbett besucht habe, lautete sein "Testament" an mich persönlich: "Sage den Menschen, die Ökumene muß weitergehen."
Zu seinem dritten Todestag tragen die Blumen der Ökumene an seinem Sarg in der Gruft seiner Bischofskirche die Schleife mit dem Versprechen: "Lieber Herr Kardinal, die Ökumene geht weiter".
nach dem Manuskript von Erzbischof Dr. Michael Staikos, griech.-orient. Metropolit von Austria
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