Kurzer Lebenslauf von Kardinal Dr. Franz König

Franz König wurde am 3. August 1905 als ältester Sohn einer Bauernfamilie in Warth bei Rabenstein an der Pielach (Niederösterreich) geboren.
Nach der 1927 mit Auszeichnung bestandenen Matura am Melker Stiftsgymnasium studierte er Philosophie und Theologie an der Päpstlichen Universität Gregoriana, sowie altpersische Religion und Sprachen an der Orientalistischen Fakultät des Päpstlichen Bibelinstitutes. 1930 wurde er zum Dr. phil. promoviert und am 29. Oktober 1933 in Rom zum Priester geweiht.

Von 1934 bis 1937 war er in seiner Heimatdiözese St. Pölten als Kaplan in Altpölla, Neuhofen an der Ybbs, St. Valentin und Scheibbs in der praktischen Seelsorge an der Basis tätig. Nebenbei vollendete er in dieser Zeit auch seine theologischen Studien und wurde 1936 zum Dr. theol. promoviert.
Ab 1938 war Dr. König Domkurat in St. Pölten und Jugendseelsorger der Diözese. Ein besonderes Anliegen war ihm die Kriegsgefangenenseelsorge, für die ihn seine Kenntnis der russischen Sprache prädestinierte.
1945 wurde er Religionsprofessor in Krems und habilitierte sich 1946 nebenbei in Wien als Privatdozent für Religionswissenschaften im Rahmen des Faches der alttestamentlichen Wissenschaften. Er wurde ein versierter Kenner der Ideenwelt der altiranischen Religion des Zarathustra.
1948 erhielt er einen Ruf nach Salzburg als Extraordinarius seines Faches. Hier leistete er die Hauptarbeit an dem großen religionsgeschichtlichen Werk "Christus und die Religionen der Erde" (1951), das als Standardwerk der Religionswissenschaft angesehen wird und viele Auflagen erlebte. 1956 erschien sein "Religionswissenschaftliches Wörterbuch".

Am 31. Mai 1952 ernannte ihn Papst Pius XII. zum Titularbischof von Livias und Koadiutor mit dem Recht der Nachfolge des St. Pöltner Bischofs Michael Memelauer. Am 31. August erfolgte die Bischofsweihe im Dom zu St. Pölten. Im Herbst desselben Jahres wurden ihm in der österreichischen Bischofskonferenz die Jugendfragen übertragen.

Am 10. Mai 1956 ernannte ihn Papst Pius XII. als Nachfolger für den verstorbenen Kardinal Innitzer zum Erzbischof von Wien. Am 17. Juni erfolgte seine Inthronisation. Erzbischof König wählte als Wahlspruch eine Stelle aus dem Epheserbrief des Apostels Paulus: "Veritatem facientes in caritate - die Wahrheit in Liebe tun" (Eph 4,15).
Am 15. Dezember 1958 nahm ihn Papst Johannes XXIII. in das Kardinalskollegium auf.
Am 21. Februar 1959 wurde Kardinal König von Johannes XXIII. zum ersten Militärvikar des Österreichischen Bundesheeres ernannt. Er übte diese Funktion bis zum 7. Mai 1969 aus. In seine Amtszeit fiel der organisatorische und personelle Auf- und Ausbau der Militärseelsorge.

Als Erzbischof von Wien war Franz König Befürworter und Motor einer den Menschen nachgehenden Seelsorge. Er unternahm persönlich viele hunderte von Besuchen in Pfarren, aber auch in Schulen und Betrieben, um mit der Jugend und mit den arbeitenden Menschen in persönlichen Kontakt zu kommen. Der stets bescheiden auftretende Kirchenmann hatte wesentlichen Anteil daran, dass sich die Kirche in Österreich von ihrer traditionellen politischen Bindung an das bürgerliche Lager löste. Er setzte die von den österreichischen Bischöfen nach dem Zweiten Weltkrieg beschlossene Entflechtung von Kirche und Parteipolitik konsequent fort und unterstützte die Bemühungen um eine Beseitigung der historischen Frontstellung zwischen Kirche und Sozialdemokratie in Österreich. Hand in Hand damit erfolgte eine Entkrampfung des Verhältnisses von Staat und Kirche in Österreich.
Am 27. Februar 1973 hielt Kardinal König als erster kirchlicher Würdenträger seit der Gründung der Zweiten Republik einen Vortrag vor dem Bundesvorstand der ÖGB zum Thema "Kirche und Gesellschaft".

Auf weltkirchlicher Ebene trat Kardinal König erstmals auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-65) in Erscheinung, zu dessen führenden Persönlichkeiten (Beiträge zum Offenbarungsschema, zur Religionsfreiheit und zur Ökumene) er gehörte. Im Sommer 1965 vertraute ihm Papst Paul VI. die Leitung des im Gefolge des Konzils neu gegründeten Vatikanischen Sekretariates für die Nichtglaubenden an, eine Funktion, die er durch 16 Jahre, bis 1981 innehatte. In dieser Eigenschaft mehrte er die Kontakte zu Vertretern des areligiösen Humanismus im Westen und des Staatsatheismus im Osten. In weiterer Folge nahm Kardinal König an den in regelmäßigen Abständen einberufenen Bischofssynoden teil, 1972 als einer der drei delegierten Präsidenten der 3. Session.
Immer wieder sprach Kardinal König von den "unverzichtbaren und wegweisenden Impulsen" des Konzils für eine Kirche auf dem Weg in das dritte Jahrtausend. Diese Impulse machte er auch in seiner Diözese fruchtbar durch die Einberufung der Wiener Diözesansynode (1969-71). Diese, wie auch der 1973/74 abgehaltene gesamtösterreichische synodale Vorgang (ÖSV) stellten die Weichen für eine "innere Erneuerung" der Kirche im Geiste des Konzils. Hier wurde auch das von Kardinal König nachdrücklich vertretene Prinzip der gemeinsamen Verantwortung von Klerus und Laien für das Leben und Wirken der Kirche deutlich.

Der Kardinal verstand die Kirche immer auch als mitgestaltenden Faktor der Gesellschaft. Zahlreiche öffentliche Stellungnahmen zu gesellschaftspolitischen Fragen - nicht zuletzt seine Hörfunk- und Fernsehansprachen zum Jahreswechsel - fanden in der österreichischen Öffentlichkeit große Beachtung.

Als spezifische Aufgabe des Wiener Erzbischofs sah Kardinal König die Überwindung der Isolation der Kirche im kommunistischen Machtbereich durch Herstellung brüderlicher Kontakte der österreichischen Kirche zu den Nachbarkirchen im Osten Europas an. Er gilt durchaus zu Recht als Architekt einer "Ostpolitik" des Vatikans.
Als erster "westlicher" Kardinal reiste er nach Osteuropa. Bei der ersten dieser Reisen - auf der Fahrt zum Begräbnis des verfemten Zagreber Kardinals Stepinac, an dem er als einziger Bischof aus dem Westen teilnehmen wollte - erlitt er im Februar 1960 vor Varazdin einen schweren Autounfall. In den darauf folgenden Wochen am Krankenlager erkannte Kardinal König klar die Verantwortung Österreichs im Herzen Europas für seine östlichen Nachbarn und begann in der Folge eine konsequente Besuchspolitik in die Länder hinter dem Eisernen Vorhang. Ab April 1963 besuchte er im Auftrag Johannes XXIII. regelmäßig den in der Amerikanischen Botschaft in Budapest gefangenen ungarischen Primas Kardinal Mindszenty, bis dieser im Herbst 1971 sein selbstgewähltes Exil verließ und nach Rom und später nach Österreich kam.
In der Folge unternahm König zahlreiche Besuche in fast alle Oststaaten, deren Hauptziel stets die Begegnung mit Bischöfen, Priestern und Gläubigen war, welchen er auf diese Weise zu verstehen gab, dass sie im Westen nicht "abgeschrieben" waren. In der Überwindung der Isolierung der Kirche im kommunistischen Machtbereich durch Herstellung brüderlicher Kontakte zu den Nachbarkirchen sah König eine der wichtigsten Aufgaben als Erzbischof von Wien. Eine Aufgabe, die nun, auf dem Weg in ein gemeinsames Europa, noch an Bedeutung gewonnen hat.

Von Anfang an bildeten ökumenische Kontakte einen weiteren Schwerpunkt im Wirken des Kardinals. Durch Besuche beim damaligen Ehrenoberhaupt der Orthodoxie, Patriarch Athenagoras von Konstantinopel (1961), beim rumänischen Patriarchen in Bukarest, beim koptischen Patriarchen in Kairo, beim serbischen Patriarchen in Belgrad und zahlreichen anderen führenden Persönlichkeiten wurden entscheidende Kontakte für den Dialog mit den orthodoxen Kirchen des Ostens geknüpft. Eine besondere Funktion sollte dabei die von Kardinal König im Jahr 1964 gegründete Stiftung "Pro Oriente" übernehmen, die vor allem durch ihre internationalen ökumenischen Symposien in den darauf folgenden Jahren dem theologischen Gespräch weitreichende Impulse zu geben vermochte.

Großes Interesse brachte Kardinal König - schon auch als Wissenschaftler - den nichtchristlichen Religionen entgegen. 1964 leitete er auf dem Eucharistischen Kongress in Bombay das "Große Religionsgespräch", an dem Vertreter aller großen Weltreligionen teilnahmen. Im Frühjahr 1965 folgte er einer Einladung des Rektors der islamischen Al Azhar Universität in Kairo (das "Rom" des Islam genannt), wo er in einem Vortrag über das gemeinsame Anliegen der monotheistischen Religionen dem Atheismus gegenüber sprach. Im November 1973 war der Dalai-Lama, das geistliche Oberhaupt des tibetanischen Buddhismus, in Wien sein persönlicher Gast.

Ein besonderes Anliegen war Kardinal König der Dialog zwischen Religion und Wissenschaft. Auch hier setzte er auf internationaler Ebene zahlreiche Initiativen, zum Beispiel im Juli 1968 in Lindau am Bodensee bei einer Tagung der Nobelpreisträger mit einem Referat zum Thema "Überwindung des Galilei-Traumas im Verhältnis von Kirche und Profanwissenschaft".

Reisen nach Polen (1971), Uganda (1972), Antiochien (1978), in den Libanon (1978), nach Helsinki (1978), Konstantinopel (1979), Damaskus (1979), Belgrad (1980), China (1980), Moskau (1980), Armenien (1980), Texas (1981), Äthiopien (1983), Ägypten und Israel (1982) usw. dienten der Aufnahme und Vertiefung des Dialoges in einer pluralistischen Welt.

Im August 1980, mit Vollendung seines 75. Lebensjahres, bat König den Papst um Entlassung aus seinen kirchlichen Ämtern. Seine Resignation wurde erst nach seinem 80. Geburtstag im Herbst 1985 angenommen. Im Juni desselben Jahres war er noch für die nächsten fünf Jahre zum Präsidenten der internationalen katholischen Friedensbewegung "Pax Christi" gewählt worden.

Kardinal König ist sein ganzes Leben in allererster Linie Seelsorger geblieben. Zutiefst davon überzeugt, dass Religion zum Wesen des Menschen gehört, bemühte er sich auch nach seinem Rücktritt als Erzbischof von Wien am 16. September 1985 noch fast zwanzig Jahre unverdrossen, gemeinsam mit den Menschen eine Antwort zu finden auf jene Fragen, an denen keiner - glaubend oder suchend - in seinem Leben ganz vorübergehen kann: "Woher komme ich? Wohin gehe ich? Und welchen Sinn hat mein Leben?" Am Samstag, den 13. März 2004 - am Muttergottes- und Fatimatag - gegen 3 Uhr früh, ist Kardinal König in seiner Wohnung im Altenheim der Barmherzigen Schwestern - im wahrsten Sinn des Wortes – "selig im Herrn entschlafen".

(Annemarie Fenzl)


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