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Exzellenz, hochwürdige Herren!
Mit schwerem Herzen bin ich vor zwei Tagen in die Bischofsstadt St. Pölten zu den letzten Vorbereitungen für die Bischofsweihe gereist. Aber die herzliche und väterliche Aufnahme, die ich bei Ihnen, Exzellenz, als meinem Diözesan-Bischof gefunden habe, stärkt meinen Mut. Ich betrachte es als eine besondere Fügung, daß ich durch Ihre bischöflichen Hände zu Ihrem Koadjutor geweiht werde. Ich würde Sie bitten, mich von der Stunde der Konsekration an als Ihren geistlichen Sohn zu betrachten, der sich mühen will, bei allen Aufgaben und Pflichten in Liebe und Treue als Helfer und Mitarbeiter Ihnen zur Seite zu stehen.
Als Wahlspruch habe ich mir ein Wort nach Epheserbrief 4,15 gewählt: Veritati in caritate: Der Wahrheit zu dienen in Liebe. Die Wahrheit, in deren Dienst ich noch ausschließlicher und hingebender als bisher treten will, stammt nicht von gestern. Sie ist bruchstückartig schon vorhanden in den Religionen des grauen Altertums; sie leuchtet hell aus den Propheten und großen Gestalten des Alten Bundes; sie strahlt als leuchtende Sonne in der Finsternis und in allen suchenden Menschenherzen seit jener weltgeschichtlichen Stunde, da das Wort Fleisch geworden ist und einer friedlosen Welt die Worte zugerufen wurden: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen auf Erden.
Für die Zeitgenossen eines in Fiebern schauernden, ruhelosen zwanzigsten Jahrhunderts bekommen die Worte des Herrn Jesus ein doppeltes Gewicht: "Wenn ihr in Meiner Lehre verharrt, dann werdet ihr die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen." Das heißt: Die Wahrheit, daß der Mensch eine jenseitige Bestimmung hat. Denn dorthin weist die Sehnsucht, besonders dann, wenn er in großen Werken sein Innerstes ausspricht. Das heißt: Die Wahrheit, daß die Welt im Argen liegt und sich nicht aus eigenem erheben kann, wenn sie sich nicht der Erleuchtung durch den heiligen und ewigen Gott öffnet. Das heißt weiter: Die Wahrheit, daß Jesus Christus die Lösung aller Schwierigkeiten ist und daß Er gekommen ist, um allen, die ehrlich suchen, Weg, Wahrheit und Leben zu sein. Dazu ist er gekommen, um das Reich Gottes auf Erden aufzurichten, ein Reich der Wahrheit und des Lebens, ein Reich der Heiligkeit und der Gnade, ein Reich der Gerechtigkeit, der Liebe und des Friedens.
Darum hat er die Apostel und die lange Reihe ihrer Nachfolger beauftragt: "Geht hinaus in alle Welt, machet euch alle Völker zu Schülern, lehret sie alles halten, was Ich euch geboten habe."
Dieses Reich Gottes ist in der römisch-katholischen Kirche aufgerichtet: das glaube und bekenne ich! In dieser Kirche will ich für das Reich Gottes arbeiten in meiner Heimat, deren Sprache ich spreche, deren Schönheit ich liebe, deren Geschichte und Tradition mich erfüllt. So bitte ich Unsere Liebe Frau, den hl. Hippolytus als Diözesanpatron, den hl. Severin als ersten Apostel meiner Heimat, den hl. Klemens Maria Hofbauer, den großen Seelsorger meiner Heimat, den hl. Franziskus als Namenspatron und alle Heiligen. Sie mögen mir zur Seite stehen, damit ich selbstlos und treu an der Seite meines Diözesan-Bischofs meine Pflicht erfülle. Sie mögen mir helfen, einmal dorthin zu gelangen, wo - so hoffe und vertraue ich - mir Christus eine Wohnstätte bereitet hat.
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