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Heute würde ich viel darum geben, wenn ich jetzt nicht noch das Wort ergreifen müßte. Wenn ich mir das alles angehört habe, und ich mich nicht selber besser kennen würde, würde ich anfangen, über mich selbst zu staunen. In dieser mich ehrenden Feierstunde auf akademischem Boden liegt es leider jetzt an mir, das Schlußwort zu sprechen. Aber ich habe auch die Freude, allen danken zu können, die diese schöne Feier vorbereitet und in einer so eindrucksvollen Weise durchgeführt haben, allen die das Wort an mich gerichtet haben. Wenn ich sozusagen im Mittelpunkt dieser Festakademie stand, wenn so viel, ja Schönes, über mich gesagt wird, bitte ich Sie alle, es mir nicht als falsche Bescheidenheit auszulegen, wenn ich meine, daß die gemeinsame Sache mehr in den Vordergrund gerückt gehört als die Person.
Die gemeinsame Sache - das ist die Sache Gottes - um die es mir immer gegangen ist, der ich mein Leben lang zu dienen versucht habe. Die möchte ich, erlauben Sie es mir, auch jetzt noch einmal ein wenig in den Vordergrund rücken. Wie jeder andere Mensch und Christ kann ich nur hoffen, daß Gott der Herr mein Tun und Wollen mit seiner großen Barmherzigkeit auch annehmen will. Ich hoffe im Sinne aller zu sprechen, wenn ich meinen Dank an die einzelnen Redner dieses Festaktes zusammenfasse, indem ich mich zuerst an den Herrn Bundespräsidenten wende, um in meinem, wie in Ihrer aller Namen meinen Dank und meinen Respekt in dieser Stunde zum Ausdruck zu bringen. Ich danke für seine Anwesenheit, für seine menschlich so einfühlenden und bewegenden Worte. Wir alle, die wir hier versammelt sind, schätzen Sie als Staatsmann und als bekennenden Katholiken und Christen. Als Bischof danke ich Ihnen für Ihr persönliches Zeugnis, für Ihre Dialogbereitschaft, für Ihre staatsmännische Klugheit, schlicht und einfach für Ihre wahrhaft menschliche und christliche Haltung in den vergangenen Jahren unseres Zusammenseins. Damit haben Sie immer wieder sowohl der Kirche als auch dem Staat einen ganz ausgezeichneten Dienst erwiesen und sind uns allen, wo immer wir stehen, ein Vorbild.
Sie werden es verstehen, wenn ich nicht nur dem neuen Rektor der Wiener Universität als Hausherrn für seine Gastlichkeit danke, wenn ich vor allem aber in dieser Stunde dem Diözesanadministrator Weihbischof Dr. Krätzl meinen herzlichen Dank und meine Anerkennung ausspreche. Er hat kein leichtes Amt übernommen - er möge getröstet sein im Bewußtsein, daß er getragen wird vom Vertrauen vieler Priester und Katholiken der Wiener Erzdiözese. Dem Repräsentanten der Bischofskonferenz, meinem Landsmann und Freund Bischof Zak, und damit allen österreichischen Bischöfen danke ich für das Verständnis und Wohlwollen, das manche meiner Schwächen als Vorsitzender der Bischofskonferenz zudeckt. Meinem Freund Dr. Widhalm danke ich als dem Vertreter jener, die im öffentlichen Leben ihren Dienst tun. Ich möchte ihn auch bitten, meinen Dank an alle weiterzureichen, die sich um unseren Staat sorgen und ihre Kraft in den Dienst der Heimat stellen, oft ohne dafür auch nur ein Wort des Dankes zu ernten. Ich persönlich schätze mich glücklich, in einem demokratischen Staat Bischof gewesen zu sein. Churchill hat einmal gesagt, die Demokratie sei die schlechteste Staatsform, die man sich denken kann, aber es gebe keine bessere.
Mit Frau Dr. Holzer bin ich durch lange Jahre verbunden. Was Sie heute so eindrucksvoll erzählt haben, ist nur ein Schatten in meiner Erinnerung geblieben. Aber ich freue mich, daraus entnehmen zu können, daß manchmal etwas Gutes geschieht, ohne daß man sich dessen eigentlich bewußt ist. Im Hinblick auf Ihre vielen Verdienste um das Laienapostolat in der Diözese möchte ich damit den Dank an alle verbinden, die hauptamtlich im Dienste der Diözese tätig waren oder sind. Die beiden lieben Freunde und Priester, die gesprochen haben, Dechant Nebenführ und Kaplan Huscava, erinnern mich nicht ohne Ergriffenheit an meine erste und an die letzte Priesterweihe im Dom zu St. Stephan. Es waren auch für mich jedesmal unvergeßliche Stunden im festlich gestimmten Dom. Es ist mir ein Anlaß, allen von mir geweihten Priestern, der gesamten Priesterschaft der Erzdiözese, von der ich als Bischof viel Gutes vermelden möchte, herzlichst zu danken und sie nochmals von dieser Stelle aus zu grüßen. Daß von den diözesanen Werken und Einrichtungen durch Präsident Dr. Piffl-Percevic gerade 'Pro Oriente' zu Wort gekommen ist, freut mich besonders deswegen, weil es mir Gelegenheit gibt, mich an die oft mühsame Pionierarbeit der ökumenischen Zusammenarbeit, aber auch an erhebende Momente brüderlicher Begenungen im ökumenischen Kreis zu erinnern.
Ich möchte noch einmal darauf hinweisen, was mir in all diesen Jahren besonders am Herzen lag: Meine erste Sorge galt immer den Menschen in meiner Diözese, in den Pfarren, Stadt und Land - auch wenn es den Anschein hat, daß meine Tätigkeit beim Konzil, meine Aufenthalte in Rom, meine Reisen ins Ausland meine Aufmerksamkeit und meine Tätigkeit zu sehr in Anspruch genommen hätten, so habe ich mich doch immer bemüht, die tägliche mühsame Kleinarbeit, bei Sitzungen, Gesprächen, bei der Posterledigung, und alles was mit dem täglichen Aufgabenkreis eines Bischofs zu tun hat, nach besten Kräften zu tun. Wenn mir mitunter der Vorwurf gemacht wurde, ich hätte zu wenig, und nicht immer energisch durchgegriffen, so möchte ich heute noch einmal bekennen, daß es meiner Meinung nach nicht Zaghaftigkeit oder Gleichgültigkeit gewesen ist, die mich bewogen haben, eher zu schweigen als zu schnell zu reden: Ich bin auch heute noch der Überzeugung, daß echter Fortschritt sowohl im Bereich der Gesellschaft wie im Bereich der Kirche schließlich doch nur durch Überzeugung des Andersdenkenden in steter Dialogbereitschaft gelingen kann, nie aber in vorschneller Mißachtung anderer Meinungen.
Ein besonderes Anliegen war mir immer das Verhältnis von Staat und Kirche. Wenn man heute der Meinung ist, daß sich auf diesem Gebiet einiges zum Besseren gewandt hat, so will ich das nicht so sehr meinem Verdienst zuschreiben, als dem meines Vorgängers sowie der steten Zusammenarbeit der Gutgesinnten in allen Lagern. Ich bin nicht als Wiener geboren, aber ich bin zuletzt zum Wiener geworden, ich betrachte es als eine Auszeichnung, daß mich die Bundeshauptstadt Wien in die Reihen ihrer Ehrenbürger aufgenommen hat. Lassen Sie mich damit ein Bekenntnis ablegen: Ich habe von Anfang an versucht, ein Bischof für alle Menschen in meinem Diözesangebiet zu sein. Ich war und bin der Meinung, daß jeder Mensch guten Willens das Recht hat, angehört und ohne Aufgabe seiner eigenen Grundsätze ernst genommen zu werden - in der festen Überzeugung, ich möchte das noch einmal festhalten, daß Glaube, Religion und Kirche die Menschen zusammenführt und niemals entzweien darf. Ich nehme Abschied mit dem Wunsch: Gott segne die Kirche in Österreich, Gott schütze unsere Heimat und alle, die in ihr verwurzelt sind.
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