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Wenn ich jetzt mit den Konzelebranten den Segen Gottes auf uns alle herabrufe, so drängt es mich, ein persönliches Wort des Dankes hinzuzufügen. Ich bin gerührt und tief bewegt, angesichts der so sorgfältig und mit Liebe vorbereiteten liturgischen Feier in der Domkirche. Aus langjähriger Erfahrung weiß ich, wieviel Arbeit, die man nicht sieht, dahintersteckt. Ich danke dem Wiener Ordinarius, dem mir freundschaftlich verbundenen Erzbischof Christoph für die gute Idee, diesen Dankgottesdienst mit dem Sonntag der Völker zu verbinden und so in den größeren Zusammenhang der Weltkirche hineinzustellen. Ich freue mich, auch darin ein Zeichen zu sehen, daß die Wiener Erzdiözese, mit der weltweiten Glaubensgemeinschaft der Kirche Jesu Christi verbunden, einen guten Weg in die Zukunft geht. Ich freue mich und danke euch allen, die ihr gekommen seid, meinen Mitbrüdern im bischöflichen, priesterlichen und diakonalen Dienst der Seelsorge, in ihrer Mitte ragt hervor der aus Rom gekommene Präfekt der Orientalischen Kirchen, Kardinal Silvestrini. Auch danke ich den anwesenden Repräsentanten des Staates mit dem Bundespräsidenten an der Spitze. Ich danke der zeichenhaften Anwesenheit vieler Vertreter der Ökumene, denen ich mich in dieser Stunde besonders verbunden weiß. Ich danke den anwesenden österreichischen Äbten und Pröpsten mit den Vertretern der weiblichen und männlichen Ordensgemeinschaften. Ich danke den neuen geistlichen Gemeinschaften, und ich danke nicht zuletzt den afroasiatischen Gemeinden, ich danke allen fremdsprachigen Gemeinden, ich danke ganz besonders den Pfarrgemeinden der Wiener Erzdiözese.
Zwei Dinge sind es, die mir mit zunehmendem Alter immer wichtiger erscheinen:
Allen negativen Statistiken zum Trotz stelle ich fest: Religion gehört zum Wesen des Menschen. - Bei allem Respekt vor letzter persönlicher Entscheidung steht jeder Mensch immer wieder vor den letzten großen Fragen: "Woher komme ich? Wohin gehe ich? Welchen Sinn hat mein Leben?" - Die großen Weltjugendtreffen mit dem Papst vor drei Jahren in Paris und jetzt in Rom weisen in diese Richtung. Religion gehört zum Wesen des Menschen - damit meine ich aber nicht nur reden über Religion, sondern Religion im Leben zu verwirklichen. Dies beginnt aber erst mit dem persönlichen und regelmäßigen Gebet. Nicht schöne Worte verändern die Welt zum Besseren, sondern das gelebte Beispiel des christlichen Lebens. Damit sind wir, auch im Verbund mit der Ökumene, die in unserem Lande ein gutes Klima besitzt, besonders herausgefordert. Die Zeiten werden nicht einfacher und wir müssen zusammenhalten.
Ein zweites: Wir hören täglich viel Negatives. Unsere Aufgabe aber ist es, das Positive zu sehen und das Gute zu verkünden, das bei uns überall zu erkennen ist. Das Gute hat allerdings eine leisere Stimme und wird nicht so leicht gehört. - Als Teilnehmer am Zweiten Vatikanischen Konzil weiß ich um die großen Impulse, die von dieser Kirchenversammlung ausgegangen sind: das neue Kirchenbild eines gemeinsam wandernden Gottesvolkes, die ökumenische Bewegung und der Dialog mit den nichtchristlichen Religionen, besonders das Verhältnis zu den Juden und auch zum Islam; die Mitverantwortung der Laien und die Religionsfreiheit. So ausgerüstet, gehen wir als Christen zuversichtlich in das neue Millennium. So steht es in den Konzilstexten, die zu lesen und zu besprechen ich euch herzlich einlade.
Und schließlich meine Bitte: Betet für mich, der ich auf meiner letzten Wegstrecke bin, so wie auch ich es für euch gerne tue. So gehet hin in Frieden und grüßt eure Lieben zu Hause!
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