Zur Eröffnung der Wiener Diözesansynode (1969-1971)
Eröffnungsansprache von Kardinal König am 15. November 1968

Meine lieben Synodalen!

Im Vertrauen auf den Beistand des Heiligen Geistes, im Wissen um die Verheißung unseres Herrn, "wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen", eröffne ich die Wiener Diözesansynode. Unser gemeinsames Ziel soll sein, durch diese Kirchenversammlung die Beschlüsse des II. Vatikanums auf der Grundlage der Konzilsdokumente in unserer Diözese und in unseren Pfarreien nach Maßgabe der Möglichkeiten zu verwirklichen. Damit entsprechen wir dem Wunsch der gleichen II. Vatikanischen Kirchenversammlung, die im Dekret über die Hirtenaufgabe der Bischöfe (Kap. 3) der Hoffnung Ausdruck gibt, daß die "ehrwürdige Einrichtung der Synoden mit neuer Kraft" aufblühe. Dadurch soll besser und wirksamer für das Wachstum des Glaubens und die Erhaltung der Disziplin in den verschiedenen Kirchen, entsprechend den Gegebenheiten der Zeit, gesorgt werden" (Nr. 36).

Nach der geltenden Rechtsordnung unserer Kirche habe ich die Synode einberufen. Auf Grund des im "Wiener Diözesanblatt" (November 1968) veröffentlichten Einberufungsdekretes stelle ich die Rechtmäßigkeit der hier zusammengetretenen Synodalversammlung fest. Es bedarf wohl keines weiteren Hinweises, daß durch dieses Dekret und den anschließenden Anhang Nr. 1 und 2 die Zusammensetzung der Synodalversammlung, Kompetenz und Vorgangsweise hinreichend umrissen sind. Da in bezug auf die Zusammensetzung der Synodalversammlung Bedenken aufgetaucht sind, möchte ich folgendes zur Kenntnis der Versammlung bringen: Die Synodalversammlung setzt sich auf Grund der üblichen Einteilung aus drei Gruppen zusammen: Priester, Laien und als dritte Gruppe Klosterfrauen und Laienbrüder. Um die vorgeschriebene Mehrheit der Priester gegenüber den Laien zu sichern, mußte klargestellt werden, ob die Gruppe der Klosterfrauen und Laienbrüder rechtlich den Laien zuzuzählen ist oder nicht. Am 5. November habe ich mich, um diese Unsicherheit zu beseitigen, telefonisch an Kardinal Confalonieri gewandt, und Kardnial Confalonieri hat in seiner Eigenschaft als Präfekt der Bischofskongregation die Auffassung geteilt, daß die Klosterfrauen und Laienbrüder als Gruppe für sich gezählt werden können, so daß für die notwendige Mehrheit das Zahlenverhältnis von Priestern und Laien maßgebend ist. Somit stelle ich fest, daß dem Verlangen des römischen Reskriptes entsprochen ist, da die Zahl der Priester die der Laien überwiegt. Diese telefonische Auskunft des Kardinals Confalonieri will ich mir noch schriftlich erbitten, um sie dann im "Wiener Diözesanblatt" zu veröffentlichen.

Weiters möchte ich eine Anfrage beantworten bezüglich Punkt 4 des gleichen Dokumentes, d. h. welche Materien dem Klerus vorzubehalten sind. Nach reiflicher Überlegung bin ich zur Auffassung gelangt, daß es schwierig und wohl auch nicht zweckmäßig wäre, solche Fragen von vornherein durch eine Geschäftsordnung festzulegen. Ich habe mich daher dafür entschieden, Fragen, die im Verlaufe der Synode auftauchen, und von denen ich glaube, sie sollten den Priestern allein zur Beratung und Entscheidung vorgelegt werden, zur gegebenen Zeit für eine solche Behandlung auszusondern. Die Vorlage der ersten Session entspricht dem Punkt 5 des römischen Reskriptes bezüglich der Zuständigkeit der Diözesansynode und bezüglich der gesetzgeberischen Rechte des Ordinarius.

Es besteht natürlich keine Schwierigkeit, Bedenken und andere Auffassungen, wenn sie weiter bestehen, als Antrag einzubringen, der dann gemäß der Geschäftsordnung zu behandeln ist.

Ich bin mir bewußt, daß wir in einer historischen Stunde unserer Diözesangeschichte uns befinden. Unsere Diözesansynode nimmt ihren offiziellen Anfang. Dieser Beginn ist aber auch das Ende einer dreijährigen wohlgeplanten Vorbereitung, die in den Pfarren und Regionen mit bewunderswertem Ernst und Schwung durchgeführt wurde. Ich danke allen, besonders auch jenen, die meinen Brief beantwortet haben. Ich danke nicht zuletzt der Führungsspitze dieser Arbeit, die viel Mühe und Zeit aufgewendet hat, um so mitzuhelfen an der Erneuerung des Lebens unserer Kirche.

Wir richten unseren Blick in dieser Synode nach vorne, nach dem Morgen unserer Kirche. Wir vergessen aber dabei nicht, daß wir verwurzelt bleiben in der Überlieferung des Glaubens unserer Kirche, die aufgebaut ist auf dem Eckstein Jesus Christus, aufgebaut auf dem Fundament der Apostel. Wir richten unsern Blick auf das begrenzte Gebiet unserer Diözese, wir bleiben aber gleichzeitig in Verbindung mit der Gesamtkirche, mit dem Inhaber des Petrusamtes, dem Oberhaupt der Weltkirche, der mit viel Demut und Hingabe in seinem Dienste uns vorangeht.

Ich bitte herzlich alle Katholiken unserer Diözese, ich lade alle unsere Freunde ein, unsere synodale Arbeit durch ihr Gebet stets zu begleiten. Der hl. Leopold und Unsere Liebe Frau, die Gottesmutter, seien unsere Fürsprecher.

Weil wir hier kein weltliches Geschäft zu besorgen haben, weil nicht persönliches Prestige oder persönliche Interessen in Frage stehen, sondern gemeinsames und selbstloses Bemühen, unserer Kirche von Wien zu dienen, und weil wir das Werk ihrer zeitgemäßen Erneuerung ausschließlich im Auge haben, deswegen wollen wir das, was uns allen gemeinsam ist, unseren Glauben, ausdrücklich bekennen: auf daß die Gemeinschaft unseres Glaubens unter uns wirksam werde.


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II. Vatikanisches Konzil





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