25 Jahre Papst Johannes Paul II.
Artikel von Kardinal König für die Wiener Kirchenzeitung, Nr. 41, 12. Oktober 2003

In diesen Tagen begeht Johannes Paul II. ein seltenes Jubiläum: Seit 25 Jahren ist er als Bischof von Rom das Oberhaupt der katholischen Kirche. In den letzten Wochen hat sich die internationale Berichterstattung mehr auf seine Person als auf sein Amt konzentriert. Anlässlich seiner bisher letzten Reise in die Slowakei konnten wir dies hautnahe miterleben.

Dem Wunsch der Wiener Kirchenzeitung entsprechend, versuche ich, aus diesem festlichen Anlass, in Kürze zusammenzufassen, was sein Pontifikat bisher für den Weg der Kirche, aber darüber hinaus auch für die gesamte Welt, bedeutet hat.

In den letzten 25 Jahren hat sich die Welt, und damit auch die Kirche in vieler Hinsicht gewandelt und damit auch einen Papst vor immer neue Aufgaben gestellt. Johannes Paul II. hat ohne Zweifel viele in Bewegung gesetzt, musste aber bisher auch manches unvollendet lassen.

Aus meiner Sicht und aufgrund meiner Erfahrung hat Johannes Paul II. sein ganzes Pontifikat mit den verschiedenen Aspekten auf dem Fundament des Konzils aufgebaut. Der Papst der Jahrtausendwende hat in seinem viel beachteten Apostolischen Schreiben Terzio Millenio Adveniente (1994) festgestellt: "Das Zweite Vatikanische Konzil war ein Ereignis der Vorsehung, durch das die Kirche die unmittelbare Vorbereitung auf das Jubiläum des Jahres 2000 in Gang gesetzt hat." Damit hat der Papst auch hingewiesen auf die Impulse des Konzils, wie sie auf die gesamte Christenheit auf dem Weg in ein neues Jahrtausend, nicht nur auf die katholische Kirche, Einfluss genommen haben, etwa durch die Betonung der ökumenischen Bewegung.

Der Papst hat auch betont, wie wichtig in einer einswerdenden Welt nicht nur der Dialog der getrennten christlichen Kirchen, sondern auch jener mit den großen Weltreligionen ist. Dazu hat er zweimal Vertreter anderer Religionen nach Assisi eingeladen, um hinzuweisen auf die gemeinsame Verantwortung aller Religionen für den Frieden der Welt. Diese Zusammenkünfte in Assisi wurden auch innerhalb der katholischen Kirche nicht von allen ängstlichen Gemütern verstanden, die eine Vermischung der Religionen befürchten, aus meiner Sicht halte ich aber gerade diesen Schritt des Papstes im Hinblick auf die Zukunft der Kirche für besonders mutig.
Daran schließt sich die große Diskussion, welchen Stellenwert und welche Bedeutung die einzigartige Botschaft Jesu Christi innerhalb der Vielfalt der Religionen der Menschheit besitzt. Diese weltweite Diskussion steht allerdings erst am Anfang.

Der Papst aus dem Osten, der das menschenverachtende System des Kommunismus am eigenen Leib erfahren hatte, scheute sich nicht, auch den egoistischen Kapitalismus des Westens anzuprangern und - mit dem Hinweis auf das christliche Welt- und Menschenbild - einen Weg der Mitte und der Wiederbesinnung auf das Evangelium, besonders in Europa, einzufordern.

In seinen Bemühungen um Verständigung mit den Juden und ihrem religiösen Erbe ist Johannes Paul II., wie manche meinen, fast über das Konzil hinausgegangen - ich erinnere an seinen Besuch in der römischen Synagoge als erste Papst der Geschichte.

Dieser Papst, der mit einem großen Weitblick auch Themen wie die Dezentralisierung der Kirchenführung - Einheit in Vielfalt - und sogar die Ausübung des Petrusamtes zur Diskussion gestellt hat, musste aber auch zur Kenntnis nehmen, dass nicht alle in seiner engeren Umgebung ihm dabei folgen konnten oder wollten. Dabei geht es hier wohl nicht um Glaubensfragen der Kirche.

In einer unvergesslichen Geste, die für ihn ohne Zweifel mehr bedeutete, hat er aus Anlass des Jahrtausendwechsels namens seiner Kirche alle jene um Vergebung gebeten, die durch menschliches Versagen Unrecht erlitten haben. Leider hat man ihm in der großen Weltöffentlichkeit nicht Folge geleistet bei seinem Appell des Schuldennachlasses der reicheren gegenüber den ganz armen Nationen als praktische Konsequenz.

Rein menschlich gesehen, bedeutet das Amt des Papstes in unserer Zeit eine ungeheure Last. Johannes Paul II. hat zudem die ganze Welt gewissermaßen als seine Diözese betrachtet, die er durch seine Reisen in alle Erdteile zu Frieden und Eintracht führen wollte. Und wie der gesunde Papst die Welt begeistern konnte, so bewegt er die Menschen heute in seiner Mühseligkeit. Er zeigt sich damit solidarisch mit allen, die in dieser Welt ein schweres Kreuz zu tragen haben. Mein Wunsch, unser Wunsch: Gott schenke ihm dazu die Kraft, solange er sie braucht.


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