Gebetswoche für die Einheit der Christen 2017

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Die Weltgebetswoche für die Einheit der Christen findet alljährlich im Zeitraum 18. bis 25. Januar statt. Sie wird vom Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) veranstaltet. In diesem Jahr legt sie ihren Fokus auf das Reformationsjubiläum und steht unter dem Titel: "Versöhnung – die Liebe Christi drängt uns".  

An ihrem Beginn, dem 17. Jänner, steht wieder der "Tag des Judentums". Aus diesem Anlass beleuchtet das Kathpress-Dossier Aspekte der Ökumene und des interreligiösen Dialogs in Österreich...

(http://www.vatican.va)                                     Auf der Seite der Kathpress                                Der Ablauf der Gebetswoche

 

In der Erzdiözese Wien hat Kardinal König einen neuen Stil der Herzlichkeit in das kirchliche bzw. das ökumenische Leben eingeführt, und was er auf höchster Ebene vorgelebt hat, das hat sich auch "stilbildend" auf die katholischen Priester ausgewirkt: ein Zusammenleben der Kirchen an der Basis in versöhnter Verschiedenheit, wie eine mögliche Form der Kirche Jesu Christi aussehen könnte.

Der Ökumenische Tee alljährlich im Jänner im Erzbischöflichen Palais ist seit vielen Jahren bis auf den heutigen Tag ein herzlicher und vor allem gern eingehaltener "Pflichttermin" geworden - Kardinal König hatte selbst noch im Jahr 2004 - zwei Monate vor seinem Tod - daran teilgenommen.




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Besuch bei Patriarch Athenagoras 1961

 

 




Im Jahrbuch der Erzdiözese Wien des Jahres 2005 würdigte der Geschäftsführende Präsident der Stiftung "Pro Oriente" Dr. Johannes Marte den Gründer und Protektor der Stiftung mit nachfolgendem Beitrag.

 


"Sag den Menschen, die Ökumene muss weitergehen!"
Kardinal Fran
z König und PRO ORIENTE

 

Brückenbauen zu den verfolgten Christen

Ein besonderes Anliegen war es für ihn, Brücken zu schlagen zu den verfolgten Christen hinter dem Eisernen Vorhang. Er wollte sie spüren lassen, dass man sie nicht vergessen hat. So reiste er seit dem Jahre 1960 als erster Kardinal des Westens in die Länder des Ostblocks, unter andrem auch nach Budapest, um für Kardinal Mindszenty die Ausreise zu erwirken. Ein anderes Anliegen führte ihn 1961 zum Ökumenischen Patriarchen Athenagoras I. nach Istanbul und zu den orthodoxen Kirche jener Länder, die nicht unter kommunistischer Herrschaft standen: Die Überwindung der Spaltung zwischen den Kirchen des Ostens und des Westens und die Bemühung um die Einheit der Christen in versöhnter Vielfalt. Das traditionell gute ökumenische Klima Wiens, zu dem der damalige griechisch-orthodoxe Metropolit Chrysostomos Tsiter viel beigetragen hat, war eine gute Ausgangsbasis für dieses sein Engagement.

Der ökumenische Dialog der Kirchen

Als dann das Ökumenismus-Dekret (Unitatis redintegratio) des Zweiten Vatikanischen Konzils die Türen zu den anderen christlichen Konfessionen weit aufstieß, erkannte König den "Kairos" dieses historischen Aufbruchs: Er griff unverzüglich eine Idee der Redaktionsmitglieder der Zeitschrift "Wort und Wahrheit", Msgr. Otto Mauer, Otto Schulmeister und andere, auf und gründete im November 1964 die Stiftung Pro Oriente. Diese war mehr als nur die Umsetzung eines vatikanischen Dekrets. Sie entsprang seinem Wesen, das ein zutiefst dialogisches war. Die Stiftung wurde zu einem Markenzeichen für den ökumenischen Dialog mit den Kirchen der Orthodoxie und den orientalisch-orthodoxen Kirchen.

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Papst Shenouda III und Kard. König in Wadi Natrun, 1991

Die erste großen Unternehmungen von Pro Oriente war die international viel beachtete Reise des Kardinals zu Patriarch Justinian nach Bukarest, der diesen Besuch im Jahr darauf erwiderte, Im Jahre 1971 wurde der inoffizielle Dialog mit den fünf orientalisch-orthodoxen Kirchen aufgenommen. Schon bald kam es unter der maßgebenden Mitwirkung des späteren koptischen Papst-Patriarchen Shenouda III. zum ersten großen Erfolg: Mit der sogenannten Wiener Formel konnte ein 1500  Jahre dauernder christologischer Streit beseitigt werden. Das Pro Oriente 1974 veranstaltete internationale Symposium Koinonia führte unmittelbar zum offiziellen theologischen Dialog zwischen der katholischen Kirche und der Orthodoxie, der 1979/80 auf Rhodos begann. In den folgenden Jahren besuchte der Kardinal die Oberhäupter der meisten orthodoxen und orientalisch-orthodoxen Kirchen:

  • 1975 den koptischen Papst-Patriarchen Shenouda III. in Kairo,
  • 1978 den syrisch-orthodoxen Patriarchen Yacoub III. in Damaskus,
  • 1979 und 1986 den Ökumenischen Patriarchen Dimitrios I. in Istanbul und den serbisch-orthodoxen Patriarchen German,
  • 1980 den russisch-orthodoxen Patriarchen Pimen in Moskau und den armenischen Katholikos Vasgen I. in Etschmiadzin, (Begrüßungsrede an S. H. Patriarch Vasken I.,am 24. September 1980)
  • 1983 den äthiopisch-orthodoxen Patriarchen Tekle Haimanot in Addis Abeba.

Nach Wien kamen in diesen Jahren die Patriarchen Yacoub III. und Zakka I. Iwas aus Damaskus, Katholikos Vasgen I. aus Etschmiadzin und Tekle Haimanot aus Addis Abeba.

Viele Patriarchen bezeichneten Kardinal König in ihren Kondolenzschreiben als Bahnbrecher für die Wiederannäherung zwischen West- und Ostkirche. Für den serbischen Patriarchen Pavle I. war er ein "Visionär der christlichen Einheit". Kaum bekannt oder vergessen ist, dass sich Kardinal König auch um den Dialog mit den Protestanten bemühte. Oberkirchenrat Bünker hat aus gegebenem Anlass darauf hingewiesen, dass es noch während des Zeiten Vatikanischen Konzils durch Kardinal König in Österreich zur Gründung der Gemischten Katholisch-Evangelischen Kommission gekommen ist, die "ein bewährter Ort für Klärung des ökumenischen Miteinander" geblieben sei. Der evangelisch-lutherische Landesbischof H. Sturm würdigte König als "ein Geschenk Gottes für die Menschen".

Auch für den Dialog mit den Religionen setzte Kardinal König Meilensteine. Mit dem Judentum pflegte er häufig Kontakt. Der Präsident der hebräischen Universität in Jerusalem, Menachem Magidor, ist stolz, "dass sein Name durch den Kardinal-König-Lehrstuhl für immer mit dieser Universität verbunden bleibt". Der Vortrag des Kardinals an der Al-Azhar-Universität Kairo im Mai 1965 und sein Besuch beim syrischen Großmufti Ahmed Keftaro haben Kardinal König zu einer hochgeschätzten Persönlichkeit in den islamischen Ländern des Nahem Ostens gemacht. Für Großmufti Keftaro war er "ein Mann, der die anderen akzeptierte, der immer die Wahrheit verkündete und ernsthaft den Frieden suchte". In seinem letzten Gespräch mit Pro Oriente hat er uns eindringlich zum interreligiösen Dialog ermuntert.

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Besuch Katholikos Vasgen I.; 1980

Der Brückenbauer

Was macht Kardinal König zum begnadeten Brückenbauer in Staat, Gesellschaft und Ökumene? Was war das Geheimnis seines Erfolges und seiner außergewöhnlichen Beliebtheit bei ganz unterschiedlichen Menschen? Gewiss waren es auch sein enormes Wissen, das er bis zuletzt unermüdlich erweiterte, seine geistige Weite verbunden mit großer Bescheidenheit und vieles andere mehr, vor allem war es aber die Art und Weise, in der er auf andere Menschen zuging und die ihm ihre Herzen öffnete. Er tat dies mit großer Behutsamkeit und Respekt vor der Meinung und dem Gewissen Andersdenkender bei gleichzeitigem Mut, wenn nötig auch "übers Wasser zu gehen". Um es mit seinem bischöflichen Wahlspruch "Veritatem facientes in caritate" zu sagen:  Er war der Wahrheit verpflichtet, dies aber in Liebe! Außerdem war Kardinal König eine Autorität, die nie und niemanden bedrängte. Wenn er ein Geheimnis hatte, dann war es wohl sein unerschütterliches Vertrauen in das Wehen des Heiligen Geistes.

"Sag den Menschen, die Ökumene muss weitergehen". Diese in seinem letzten Gespräch an Weihbischof DDr. H. Krätzl gerichtete Worte des großen Kardinals sind Erbe und Auftrag für alle Menschen und besonders auch für seine Stiftung PRO ORIENTE, die hier auf Erden zwar einen väterlichen Freund verloren, dafür aber drüben einen starken Fürsprecher gewonnen hat.


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