Chaldäischer Patriarch besuchte befreite Ninive-Ebene

©

Die Kardinal König-Stiftung setzt auf neue Art die Intentionen Ihres Namensgebers in die Praxis um: von 17. bis 19. Februar 2017 fährt der neue Präsident der Stiftung, der Linzer Diözesanbischof Manfred Scheuer, mit einer kleinen Delegation nach Erbil im Nord Irak, um dem chaldäisch-katholischen Patriarchen Mar Louis Raphael Sako den "Kardinal König-Solidaritätspreis" zu überreichen und zugleich den vielen christlichen Flüchtlingen vor Ort ein Zeichen christlicher und menschlicher Nähe zu geben.

Eingedenk des Grundsatzes Kardinal Königs, dass es nicht genügt, wohlklingende Worte zu finden, sondern dass den Worten auch konkrete Taten der Nächstenliebe folgen müssen, überbringt Bischof Scheuer nicht nur den Preis, sondern auch eine Spende, die sich als Initialzündung für eine österreichiche Solitaritätsaktion zugunsten des Wiederaufbaus der christlichen Orte in der Ninive Ebene versteht. Damit wird zugleich ein Zeichen der Verbundenheit mit den Christen des Zweistromlandes gesetzt, die – ebenso wie ihre Vorfahren seit dem 1. Jahrhundert – unter schwierigsten Bedingungen der Botschaft Jesu treu geblieben sind.

 

 

© Kirche in Not
Die zerstörte Kirche von Batnaya

Neuer "Marshall-Plan" soll zerstörten Dörfern helfen

"Die Hoffnung kehrt in die Ninive-Ebene zurück", berichtet der Nahost-Experte des katholischen Hilfswerks "Kirche in Not".  P. Andrezej Halemba hat alle irakischen christlichen Döfer besucht, die im November aus den Händen des IS befreit worden sind. Mehr als fünzig Prozent der Binnenflüchtlinge seien bereit zurückzukehren: "und diese Zahl nimmt zu".

Zwecks Wiederaufbau der zerstörten Dörfer ruft P. Halemba die internationale Gemeinschaft zu "einem neuen Marshall-Plan" auf. Dieser war 1948 von den USA zum Wiederaufabau Europas nach dem Zweiten Weltkrieg initiert worden.

Seit 2014 hat "Kirche in Not" die Christen im Irak mit 26 Millionen Euro für Nothilfsprojekte, Schulausbildung, Nahrungsmittel und Lebensunterhalt für die Vertriebenen unterstützt.

Patriarch Sako besuchte befreite Orte
Eine Delegation der chaldäisch-katholischen Kirche unter der Leitung von Patriarch Mar Louis Raphael Sako hat die erst vor kurzem von der Regierungsarmee befreite Ninive-Ebene besucht. Wie das chaldäische Patriarchat mitteilt, wurden auch erste Spenden der chaldäisch-katholischen Kirche im Umfang von insgesamt fast 500 Millionen Dinar (380.000 Euro) für den Wiederaufbau von Wohnungen und Kirchen bereitgestellt, die während der Herrschaft der IS-Terroristen beschädigt worden sind. Damit soll auch die Rückkehr der Flüchtlinge erleichtert werden, die im August 2014 nach dem Vormarsch der Terroristen fliehen mussten. Die Verwüstung sei vor allem in der Stadt Batnaya besonders groß. In Tel Kaif sei das Ausmaß der Schäden geringer.

Muslime versteckten Christin
In Tel Kaif hatten die Regierungstruppen nach der Befreiung die 60-jährige Christin Georgette Hanna gefunden, die von einer muslimischen Nachbarsfamilie versteckt gehalten wurde. Georgette war es im Juni 2014 nicht gelungen, mit anderen Christen aus Tel Kaif zu fliehen; seither war sie bei ihren muslimischen Nachbarn untergekommen, die sie in ihrer Wohnung versteckt hielten. Mit der Befreiung der Stadt aus der Hand der IS-Terroristen endete nach mehr als zweieinhalb Jahren auch die Isolation dieser irakischen Christin.

Bedrohlicher Winter
Jüngst besuchte Patriarch Sako al-Nour, 15 Kilometer von Mossul entfernt. Er wollte u. a. die Heilig-Geist-Kirche ansehen. Der für die Kirche zuständige Priester war ermordet worden. Besorgt äußerte er sich über die widrigen Umstände, denen die Flüchtlinge aus Mossul ausgesetzt sind: "Es ist wirklich sehr kalt. Die Leute bräuchten eigentlich irgendwelche Wärmequellen, aber die gibt es nicht. Viele dieser Menschen wohnen in Zelten. Es fehlt an Nahrungsmitteln, Medikamenten, Wasser. Eine sehr sehr schwierige Situation."

(Bericht aus: "Ja-die neue Kirchenzeitung")

Weitere Berichte in den Medien:
RadioVatikan: "Patriarch betet in befreiter Ninive-Ebene"
ProOriente: "Kirche wird Flühtlingen helfen - die in ihre Häuser zurückkehren wollen"
ReligionORF: Chaldäische Patriarch besucht befreite Ninive-Ebene

 

 

©

Über Patriarch Mar Louis Raphael Sako

Louis Sako studierte in Rom und Paris, promovierte in den Fächern Patristik und Religionsgeschichte in Rom und schloss ein Studium der Islamwissenschaft mit dem Lizentiat ab. Er spricht zwölf Sprachen, neben Arabisch unter anderem Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch.

1974 wurde er zum Priester geweiht. Er war Regens des chaldäischen Priesterseminars in Bagdad.

Im Jahr 2002 wurde er zum Erzbischof des Erzbistums Kirkuk gewählt, die päpstliche Bestätigung durch Papst Johannes Paul II. erfolgte aufgrund des Irakkriegs aber erst ein Jahr später.

Am 14. November 2003 empfing Sako durch seinen Vorgänger, Erzbischof André Sana, die Bischofsweihe; Mitkonsekratoren waren Shlemon Warduni, Weihbischof in Babylon, und Paulos Faraj Rahho, Erzbischof von Mosul.

Er wurde 2004 zum Vizepräsidenten des Provinzrates von Mosul gewählt und wurde Berater des Päpstlichen Rates für den Interreligiösen Dialog.

Anlässlich des Ramadanbeginns im August 2009 formulierte Sako zusammen mit anderen religiösen Führern (u.a. Vertretern von Ali Sistani und Muktada al Sadr) einen Aufruf für Frieden, Versöhnung und ein Ende der Gewalt: "Wir sind alle Brüder, Söhne des gleichen Gottes, wir müssen uns gegenseitig respektieren und zusammenarbeiten für das Wohl der Menschen und das Wohl unseres Landes. Der Irak braucht Versöhnung und Dialog."

Im Jahr 2010 erhielt er den Friedenspreis der internationalen katholischen Friedensbewegung Pax Christi für seine jahrelange interreligiöse Friedensarbeit in Kirkuk.

Sako kritisierte die Hinrichtung Saddam Husseins und sprach sich gegen die Anwesenheit von US-amerikanischen Truppen im Irak aus.

 

Patriarch Mar Louis Raphael Sako "Stärker als der Terror"
Über die Christen des Nahen Ostens und die Gewalt der IS Terroristen.

Mar Louis Rapahel Sako,von Babylon und Oberhaupt der mit Rom unierten chaldäisch-katholischen Kirche,legte in seinem vor rund zwei Jahren erschienen Buch, das zum Teil jedoch von den aktuellen Ereignissen bereits überholt ist, "Ne nous oubliez pas !“ Le SOS du patriarche des chrétiens d‘Irak ein Plädoyer für die Christen des Nahen Ostens und ihr Ausharren in ihrer Heimat vor.

Der Patriarch schildert darin den Leidensweg der Christen im Irak und in Syrien. Er beschreibt die langen Menschenkolonnen verängstigter Christen, die sich auf staubigen, schattenlosen Straßen bei Temperaturen um die 50 Grad Celsius langsam zu Fuß mit wenig Handgepäck und ohne Rast vorwärtswälzen mussten, auf der Flucht vor den IS (Daesh)-Terroristen: Eltern, die ihre erschöpften Kinder auf den Armen, Männer, die ihre alte Mutter oder ihren alten Vater auf dem Rücken tragen. Der Patriarch schildert die Ratlosigkeit und Verzweiflung der Christen, als die Islamisten plötzlich auftauchte und Flugblätter verbreitete, mit denen die "Nazarener" aufgefordert wurden, sich zum Islam zu bekehren, zu flüchten oder den Tod zu erleiden. "Zwischen uns und euch ist nur das Schwert", ließen die Dschihadisten wissen.

Mar Louis Raphael Sako sagt es heute ganz unumwunden: Es gibt keine Alternative zur Militärintervention. Und er meint damit nicht Phantom-Luftschläge der US-geführten Koalition der Willigen, sondern Bodentruppen, um die Islamisten zu vertreiben.

Das Buch enthält „tausend Perlen“, so eine Rezession in der italienischen Zeitschrift "Chiesa e postconcilio". Eine einzige davon sollte genügen, um den verschlafenen Glauben im Westen aufzurütteln. Seinem Gesprächspartner, der ihn fragte, wie es nur sein kann, dass die irakischen Christen es vorziehen, alles zu verlieren, als ihren Glauben zu verleugnen, antwortete der Patriarch:

"Im Irak ist es einfach undenkbar, den eigenen Glauben zu verleugnen. Er ist Teil der Identität eines Menschen. Der Glauben ist bei uns nicht spekulativ. Er ist eine Frage der Liebe zu Christus und der Anhänglichkeit an Ihn. Die Religion ist wie die Hefe im Brot, man kann sie nicht herausfiltern. Es handelt sich um eine mystische Existenz. Für uns Christen ist der Glauben das Wichtigste, für ihn ist man bereit alles zu opfern, auch sich selbst. Glauben ist Sein."

Nach dem gewaltsamen Vordringen der Islamisten war es das erste Ziel der Christen, Frauen, Kinder und Alte in Sicherheit zu bringen. Die Christen der Ninive-Ebene flüchteten in das nahe irakische Kurdistan. Das Buch schildert aber auch, dass die männlichen Christen, wie jene der Ninive-Ebene, nicht auf den „Flüchtlingsbooten“ nach Europa sind, sondern im Schützengraben liegen, um ihre Familien, ihren Glauben und ihre Heimat zu verteidigen oder zurückzuerobern. 

 

Kardinal König Stiftung - Reise nach Erbil

"Nicht nur reden, sondern handeln" - In Zukunft soll in jedem Jahr eine beispielhafte Aktion im Sinn dieser Äußerung Kardinal Königs stattfinden. Für 2017 ist eine Reise nach Erbil in Nordirak unter der Führung des Präsidenten der Stiftung, Bischof Manfred Scheuer vorgesehen, um dem chaldäisch-katholischen  Patriarchen Mar Louis Raphael Sako den ihm verliehenen "Kardinal König-Solidaritäts-Preis" zu überreichen.

Ablauf der Reise:

  • Begegnung mit dem Patriarchen Sako
  • Überreichung des Kardinal König Preises – im Rahmen einer Veranstaltung in der Kathedrale
  • Begegnung mit verschied. Bischöfen in Erbil 
  • Besichtigung der Flüchtlingslager sowie Flüchtlingsunterkünfte
  • Exkursion in die Ninive Ebene (Karakosch) 
  • Kontakte mit führenden Politikern

Wir werden unsere Besucher über die Reise auf dem Laufenden halten.

 


Druckansicht
Zurück






   Impressum | Links | Stichwortverzeichnis | Suche