Das Kreuz ist nicht aus der Welt zu schaffen!

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Das Kreuz ist nicht aus der Welt zu schaffen!

In den letzten Wochen konnte der aufmerksame Zeitgenosse, die nachdenkliche Zeitgenossin, zunehmend mehr oder weniger erhellende Diskussionsbeiträge zum Thema "Kreuz: ja oder nein?"  lesen oder auch hören.

In diese sensible Diskussion wollen wir uns nicht direkt einmischen – bringen aber dafür unseren Leserinnen und Lesern einen Text von Kardinal König zur Kenntnis, der sich mit dem Kreuz als zentralem Symbol unseres christlichen Glaubens befasst.  Ein "Nachdenktext" – in der Mitte der Fastenzeit…   

Leitartikel aus der "Kleinen Zeitung"

 

© A. Fenzl


Vom Kreuz

Das Kreuz ist nicht aus der Welt zu schaffen. Es besteht aus einem waagrechten und einem senkrechten Balken. Wer das Christentum nur waagrecht, nur horizontal sieht, nur als soziale, revolutionäre Botschaft- als Aufforderung zur Veränderung der Welt -, der sieht nur eine Seite, nur einen Balken. Ebenso wie derjenige, der nur den vertikalen, den senkrechten Balken sieht, das heißt: die Verbindung des Einzelnen zu Gott. Wir haben vermutlich lange Zeit nur den senkrechten Balken gesehen. Viele wollen heute wieder nur den waagrechten sehen. Beide aber – und nur beide zusammen – ergeben das Kreuz, an dem am Karfreitag der Erlöser gehangen ist und an dem für uns für alle Zeit die Erlösung hängt. Das Kreuz abzuschaffen, das Kreuz wegzuschaffen, ist eine uralte, eine doppelte Versuchung. Auch an Jesus ist sie herangetreten: "Stürze dich hinab vom Tempel, die Engel werden dich auf Händen tragen", sagte der Versucher zu Jesus. Und: "Wann wirst du das Reich Israel wieder in Macht und Herrlichkeit aufrichten?" – so fragten die Jünger. Jesus hat beide Versuchungen von sich gewiesen: Die Versuchung der überirdischen und die Versuchung der irdischen Macht. Das Reich Gottes kommt nicht mit Schaugepränge und nicht mit Partisanenkämpfen. Das Kreuz ist das Sinnbild des Menschen – auch in seiner außermenschlichen und übermenschlichen Bestimmung -, wo die Waagrechte und die Senkrechte, das Mitmenschliche und das Mitgöttliche, im rechten Winkel zueinander stehen und sich gegenseitig überkreuzen. Aber erst in ihrer Verbindung wird das Kreuz mit seinen zwei Balken auch das Kreuz des Menschen.

(Kardinal König: Gedanken für ein erfülltes Leben)


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