Gratulation an Altbischof Bischof Johann Weber zu seinem 90. Geburtstag

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Kardinal König war mit Bischof Johann Weber, vor allem durch die  gemeinsame Ausrichtung im Sinne des Zweiten Vatikanischen Konzils, schon vor dessen Ernennung zum Diözesanbischof der Diözese Graz-Seckau am 10. Juni 1969 eng verbunden - wie die beiden nachfolgenden wechselseitigen Gratulations- bzw. Dankesworte zeigen.

Aus Anlass seines 90. Geburtstags - heute am 26. April - wollen wir den liebevollen Seelsorger und guten Freund auch unseren Leserinnen und Lesern in Erinnerung rufen.  

 

 

© Franz Rupprecht/kathbild
Bischof Johann Weber im Gespräch mit Kardinal Franz König und dem Mainzer Kardinal Karl Lehmann.

Bischof Weber gratuliert Kardinal König zu dessen 50jährigem Bischofsjubiläum

Wien-Graz, 11.9.02 (KAP) Der Grazer Altbischof Johann Weber hat in einem Beitrag für "Die Furche" seinen Amtsbrüdern Kardinal Franz König und Weihbischof Helmut Krätzl zu deren Goldenem bzw. Silbernem Bischofsjubiläum gratuliert. "Sie haben verschiedene Lebenswege", so Weber in seiner Würdigung: "Aber eines ist gleich: Verstand, Herz, Reden, Schreiben und ein oft sehr einfacher Seelsorgsdienst sind bewegt vom Konzil". Offenbar trage dies dazu bei, "dass beide unabhängig vom Geburtsdatum wie jung erscheinen". Bischof Weber schilderte zwei prägnante Erinnerungen, die er mit den beiden Jubilaren verbindet: Kardinal König habe einmal in der Aula der Grazer Universität vor einem Publikum, "wie es bunter nicht sein könnte", über die Auswirkungen des Konzils referiert. Ohne Sensationen oder Enthüllungen zu bieten, dafür "nüchtern und mitunter ein wenig schalkhaft" habe der damals schon betagte Kardinal gesprochen und doch alle Zuhörer - nachdem das letzte Wort verklungen war - zu stehenden Ovationen veranlasst. Mit Bischof Krätzl verbindet der steirische Altbischof inhaltlich zugespitzte und zugleich Brücken bauende Wortmeldungen in der Österreichischen Bischofskonferenz. Krätzl – obwohl "nur" Weihbischof - erhebe er seine Stimme "aus seiner Erfahrung und seinem Gewissen". Es sei wichtig, dass "oben und unten" in der Rangordnung nicht zu viel zählt, "wohl aber das Feuer des Evangeliums", so Weber.

Aus: Kathpress Tagesdienst 12/09/2002


Kardinal König dankt Bischof Weber am Ende seiner Amtszeit in Graz

In diesen Tagen, da Du, lieber Bischof Johannes die Verantwortung für Deine wohl geordnete große Diözese in die Hände Deines Nachfolgers übergibst, auch einen Mann Deines Vertrauens, denke ich gerne und dankbar daran, daß Du viele Jahre hindurch mein treuer Mitstreiter und Amtskollege in der österreichischen Bischofskonferenz gewesen bist. Ich hatte Dich früher nicht gekannt, zum erstenmal bin ich Dir richtig begegnet bei Deiner Bischofsweihe im Dom zu Graz. In den Jahren nach dem Konzil waren wir alle in unseren Diözesen beschäftigt, die Ergebnisse und Resultate der großen Kirchenversammlung von der Weltebene auf die Diözesan- und Pfarrebene zu transponieren. Bei Dir, lieber Bischof Johannes, fiel mir auf, daß die praktischen seelsorglichen Interessen immer im Vordergrund standen, getragen stets vom Geiste des Konzils und einer großen Zuversicht. Dein Ziel war immer, die Treue zum Evangelium mit der Treue zu den Menschen zu verbinden. In dieser Gesinnung hast Du des öfteren den einleitenden Satz aus der Pastoralkonstitution des Konzils zitiert: "Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute ... sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi und seiner Kirche". Eine solche Verbindnung von Menschennähe und Glaubenstreue haben Dich in Deiner Diözese zu dem Hirten gemacht, dem alle vertrauen. Es gibt nichts wahrhaft Menschliches, das nicht auch in Deinem Herzen als Bischof ein Echo gefunden hätte. "Bischof Weber mag die Leute", so hieß es, "und die Leute mögen ihn."

In einer schwierigen Zeit der österreichischen Kirche wurde Dir, lieber Bischof Johannes, die Verantwortung für die gesamte österreichische Bischofskonferenz auf die Schultern gelegt. Du hast diese Last mit Mut und Zuversicht getragen, stets geöffnet für die Mitarbeit der Laien, Frauen wie Männer, und dies ganz im Sinne des Konzils, wo es in der Dogmatischen Konstitution über die Kirche heißt: "Die Laien sind besonders dazu berufen, die Kirche an jenen Stellen und in den Verhältnissen anwesend und wirksam zu machen, wo die Kirche nur durch sie das Salz der Erde werden kann." Damit wurde Dir auch immer mehr bewußt, daß für den Weg der Kirche in unserem Lande ein gesamtösterreichischer Dialog notwendig sei. Dies hat für Dich eine neue Herausforderung bedeutet, der Du Dich mit Deiner ganzen Kraft als Seelsorger gestellt hast. Dadurch konnten Spannungen gelöst werden, im Gefolge gute Gespräche, auch über so manche innerkirchliche Grenze hinweg.

So wünsche ich Dir, lieber Bischof Johannes, vom Herzen, daß Du nun, entlastet und in großer Gelassenheit, weiterhin den Menschen und der Kirche in Deiner Heimat dienen kannst, solange der Herr Dir die Kraft dazu gibt! - "Der Herr segne Dich und behüte Dich. Der Herr lasse sein Angesicht über Dich leuchten und sei dir gnädig. Der Herr wende sein Angesicht Dir zu und schenke Dir Heil." (Num 6,24)

 Kardinal König, 14. März 2001



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Johannes Weber

Das steirische SONNTAGSBLATT würdigt seinen "Altbischof" zu seinem besonderen Geburtstagsfest!

Unser "Herzbischof" wird 90

Altbischof Johann Weber, Vater des diözesanen Aufbruchs.

Nach wie vor ist der Name Johann Weber mit einer Zeit in der Steiermark verknüpft, in der die Begriffe Fortschritt und  Aufbruch auch stark geistlich besetzt waren. Noch immer tut er Dienst als Seelsorger und nach wie vor ist jede Begegnung mit ihm geprägt von offener schlichter Herzlichkeit. Johann Weber, unser Diözesanbischof von 1969 bis 2001, vollendet am 26. April sein 90. Lebensjahr.

Seelsorger der Arbeit
Am 26. April 1927 kommt Johann Weber in Graz-St. Veit zur Welt. Bis zur Schließung des Bischöflichen Seminars 1938 ist Johann Weber dort Schüler, anschließend im Akademischen Gymnasium. Ein Studienjahr widmete der Student Weber der Germanistik, der Geschichte und der Geografie, danach steigt er auf das Studium der Theologie um, welches er 1950 abschließt. Am 2. Juli 1950 wird Johann Weber im Grazer Dom zum Priester geweiht. Nach jeweils drei Jahren als Kaplan zuerst in Kapfenberg und dann in Köflach wird er Diözesanseelsorger der Katholischen Arbeiterjugend. Noch viele Menschen erinnern sich gern an ihre Begegnung mit Johann Weber, dem Seelsorger der Arbeiter, aus dieser Zeit.

Von 1962 bis 1969 war Johann Weber Pfarrer der Stadtpfarre Graz-St. Andrä. Sein Einsatz für die Armen und Bedürftigen zeichnet sein Wirken in diesen Jahren aus. Beispielhaft dafür war die Errichtung des "Heimes der offenen Tür", eines Hauses für Schwangere, die in Not geraten sind. Am 10. Juni 1969 ernennt Papst Paul VI. ihn zum Nachfolger von Bischof Josef Schoiswohl, der am 1. Jänner 1969 zurückgetreten war. Er reiht sich damit als 56. Bischof der Diözese Graz-Seckau ein.

Diözesaner Aufbruch
Der 28. September 1969, der Tag der Bischofsweihe von Johann Weber, wurde auch zu einem Aufbruchsfest für die Diözese Graz-Seckau. Historisches Detail am Rande: Zur gleichen Zeit, als Erzbischof Andreas Rohracher, gemeinsam mit dem Grazer Weihbischof Leo Pietsch und seinem Vorgänger Bischof Josef Schoiswohl, 55. Diözesanbischof von Graz Seckau, Johann Weber weihten, wurden im ORF die ersten Bilder von der Mondlandung der US-Amerikanischen Apollomission gezeigt.

Die Aufgaben, denen sich Bischof Johann Weber stellen musste, waren nicht leicht. Es galt die Polarisierung im Klerus über die Ausrichtung nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil in der Diözese zu überwinden und gleichzeitig das Konzil umzusetzen. Die Einrichtung des Diözesanrates und der Pfarrgemeinderäte, aber auch die Bestellung von Laien zu Pastoralassistenten und in Aufgabenfelder, die bislang Priestern vorbehalten waren, sind Teile davon. Unter seiner Ära fallen auch die Errichtung des Kulturzentrums bei den Minoriten und die Errichtung des Welthauses.

"Herzbischof" Weber
Über 30 Jahre prägte Bischof Johann Weber als Hirte die Diözese und auch die ganze Kirche in Österreich mit. Einige große Ereignisse zeugen davon: Die Österreich-Synode 1973/74, der "Tag der Steiermark" 1993, die "Wallfahrt der Vielfalt" 1996, die Zweite Europäische Ökumenische Versammlung 1997 in Graz und der "Dialog für Österreich" 1998. Zu den Höhepunkten seiner Amtszeit zählt sicherlich auch der Besuch von Papst Johannes Paul II. im Jahr 1983 in Mariazell und der Katholikentag 1981 in Graz, zu dem 70.000 Gläubige in den Stadtpark gekommen waren. Sie feierten das "Fest der Brüderlichkeit" gemeinsam mit Bischof Johann Weber, der – passend zum Logo des Katholikentag – zum "Herzbischof" ernannt wurde.

Im Jahr 2001 legt Bischof Johann Weber sein Amt aus gesundheitlichen Gründen zurück. Der Papst ernannte Bischof Egon Kapellari zum Nachfolger. Bischof Johann Weber schreibt zum Abschied im Sonntagsblatt: "Beinahe 32 Jahre war ich nun Bischof unserer Diözese Graz-Seckau. Da ist es an der Zeit, für einen neuen Bischof Platz zu machen. Ich hab mir das gut und lange überlegt, und ich glaube, dass nun der richtige Zeitpunkt gekommen ist. …Es gibt einem viel Freude, in der Steiermark Bischof zu sein, das ist meine Erfahrung. Danke!" Seit dem ist Bischof Weber als Seelsorger im Pfarrverband Graz-St.Leonhard, Graz-Ragnitz und Graz-Kroisbach tätig.

Seit mehr als einem Jahr lebt Bischof Johann Weber im Alten- und Pflegeheim der Dienerinnen Christi in Graz Andritz, jenem Teil von Graz, wo er auch vor 90 Jahren das Licht der Welt erblickte.

Aus: Katholische Kirche Steiermark
Zum Nachlesen:
Sonntagsblatt
Lebenslauf von Bischof Weber in: Wikipedia

 


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