Dank an unsere Mütter

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Eine alte Einsicht besagt: nur einmal im Jahr unseren Müttern zu danken, ist nicht richtig, weil nicht genug. Jeder und jede, die die Erinnerung an eine gute Mutter im Herzen bewahren darf, wird das verstehen.

Auch Kardinal König hatte eine Mutter, der er, nach eigenen Aussagen, viel verdankte und mit der er bis zu ihrem Tod verbunden blieb, auch wenn ihn sein Lebensweg bald weit weg von ihr führte und ihm aus diesem Grund oft nicht viel Zeit zu Besuchen übrig blieb.

Aber ihre letzten Lebensjahre verbrachte sie im Erzbischöflichen Palais in Wien bei ihrem ältesten Sohn Franz, der inzwischen dort Hausherr geworden war. Eine Schwester der Vöcklabrucker Schulschwestern, die den Haushalt des Kardinals versorgten, betreute sie. Vielen Angestellten dieser Jahre war die alte Frau im Rollstuhl auf dem Gittergang des Schwesterntraktes im zweiten Hof des Erzbischöflichen Palais vertraut, wie sie dort saß, das Treiben im Hof beobachtete und dabei auch manchmal ihren Sohn wegfahren und dann wieder heimkommen sah.

Am 6. Mai 1967 gab der Sohn seiner Mutter das letzte Geleit auf dem Weg von der Kirche auf den Friedhof von Rabenstein. Er war überzeugt und hat dies damals auch zum Ausdruck gebracht, dass er ab nun eine große Unterstützerin und Fürbitterin im Himmel hat, die seinen Lebensweg auch weiterhin begleitet. 

Dasselbe gilt wohl für alle Mütter.

 

 

© KK-Archiv

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Kardinal Franz König über seine Mutter

"Meine erste Religionslehrerin war meine Mutter…"

Wenn er von seiner armen, aber trotzdem frohen Kindheit sprach, vergaß Kardinal König nie zu betonen: Die Lebenskraft, die er sich bis in ein unglaublich hohes Alter hinein erhalten konnte, holte er sich nicht zuletzt aus der Verbundenheit mit der Heimat, seiner Familie und seinem Glauben. 1995, anlässlich seines erwähnten neunzigsten Geburtstages erinnerte er sich in einer Predigt während eines Gottesdienstes in der alten Andreaskirche, zwischen Kirchberg und Rabenstein gelegen, an seine Wurzeln: "...Es ist lange her, daß meine Mutter mich an ihrer Hand hier, der Pielach entlang, in den Kindergarten von Kirchberg geführt hat, mich am ersten Schultag persönlich in die Obhut der Lehrerin gab. Damals öffnete sich für mich eine neue Welt. Und so ging ich, zunächst wieder an der Hand meiner Mutter, am Sonntag in die Kirche. Und hier, in der Pfarrkirche von Kirchberg, mit ihrem mächtigen Turm, tat sich langsam wieder eine andere Welt auf. Meine erste Religionslehrerin war meine Mutter; sie erklärte mir, was ich zunächst noch nicht ganz verstand; daß wir alle unterwegs sind zum Vater im Himmel. Und wenn dann später in der Adventszeit geheimnisvolle Erwartungen mich umgaben, eingewurzelt im Brauchtum und im Glauben der Heimat; wenn dann am Heiligen Abend mich später die Eltern mitnahmen die Christmette, dann staunte ich über die vielen Lichtlein, die vor Mitternacht aus den Bergen ringsum nach unten strebten, um zur Kirche zu kommen. Damals begann ich zu ahnen, daß mein Elternhaus und meine Heimat eingebettet ist in eine größere Welt, mit neuen Perspektiven und Möglichkeiten, die ich nur erahnen, aber nicht verstehen konnte…“

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Kardinal Königs Mutter am Gittergang des Erzbischöflichen Palais

Und wenn auch im Verlauf seines langen Lebens seine Heimat die ganze Welt wurde, hat er seine wirkliche "Heimat" nie verleugnet oder gar vergessen. In zahlreichen Aufsätzen und Ansprachen hat er immer wieder das Pielachtal erwähnt, wo seine Wurzeln waren und die Heimat und die Menschen dort auch immer besucht. Die Erfahrung einer vergleichsweise armen, aber – heute würden wir sagen – intakten Familie in einer überschaubaren Dorf- und Talgemeinschaft schenkte ihm Lebenskraft für volle 98 Jahre.

Immer hat er die große Bedeutung, die die Heimat für ihn persönlich hatte, betont. Anläßlich seines 90. Geburtstages sagte er zu seinen "Landsleuten", wie er die Rabensteiner und die Kirchberger immer nannte: "Ich lege meinen Dank hier nieder, in der Gemeinde, die meine Heimat wurde, ehe ich in die Welt hinauszog; wo ich im Taufbauch stehe und wo das Grab meiner Mutter ist, auf dem Rabensteiner Friedhof. In einer Zeit, in der so viele Menschen nach dem richtigen Weg fragen, bleibt als Antwort der Glaube an Christus und die Heimat, die uns diesen Glauben nahe gebracht hat.“

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Kardinal König mit einer Bewohnerin im Altenheim

 

 

Muttertagsfeier im Altenheim der Barmherzigen Schwestern in der Millergasse

Und die Liebe, die ihn mit seiner Mutter verbunden hatte, konnte der alte Kardinal dann bis an sein Lebensende auch noch überzeugend weitergeben. Er verbrachte ja seine letzten neunzehn Lebensjahre im Altenheim der Barmherzigen Schwestern in Gumpendorf, wo er, wenn er zu Hause war, mit den alten Leuten einfach mitlebte. Er rückte, nach Information der Hausoberin, immer gerne, mit einem Blumenstrauss "bewaffnet", zu den runden Jubilarinnen oder Jubilaren aus und war ein verlässlicher Fixpunkt bei der Gestaltung der Weihnachts-, Altjahres- und anderer Feste, ganz besonders auch des Muttertages. Seine Hausgenossinnen und Hausgenossen liebten ihn dafür.


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