Allerheiligen - Allerseelen - Glaube an die Auferstehung

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Das Leben des Menschen ist eine systemimmanent unsichere Sache. Den Menschen vergangener Zeiten war ihre Lage, vergleichsweise zu heute, klar: an seidenen Fäden in einer Daseinsform, die sich Leben nannte, hängend, war das allein zu begreifen und zu bewältigen, zumeist Lebensaufgabe genug. Tiefsinnige, philosophische Reflexionen über das Dasein und seinen Sinn waren Klöstern und ähnlichen Orten im kirchlichen Dunstkreis vorbehalten. Der Tod gehörte zum Leben: "Media vita in morte sumus" - diese Feststellung Notkers von St. Gallen (+ 912) war im Mittelalter allgegenwärtig.

Heute ist das etwas anders und wiederum auch nicht: obwohl wir mit gewissem vordergründigem Erfolg alle Kunst darauf verwenden, die Tatsache unserer Unbehaustheit auf Erden zu verschleiern, zu leugnen, am besten zu vergessen, will es nicht so ganz gelingen. Der Ort dementsprechender Reflexionen hat sich allerdings vom  kirchlichen in den allgemein gesellschaftlichen Bereich erweitert, verschoben, wenn man so will und wird dort in der Regel je nach Standort mehr oder weniger kompetent und nicht immer mit dem notwendigen Ernst, abgehandelt.

Die drei Fragen Kardinal Königs nach dem Woher und dem Wohin und dem Wozu haben ihren bedrohlichen Ernst verloren, zumindest nach außen hin. Mit Ausnahme von Theologen oder Philosophen erscheint es der breiten Masse nicht besonders notwendig, darüber besonders nachzudenken. Es ist auch zu wenig Zeit dazu und was ändert es an der Situation: Wir sind einmal gekommen – von wo? Und wir werden einmal, früher oder später, weggeholt – von wem? Und wohin? Und wozu war das alles gut? Wo ist der Sinn des Ganzen? Da müssen viele passen und meist gibt es scheinbar Wichtigeres zu denken.

Und doch sind diese  Fragen da und schlussendlich entkommt ihnen niemand.

 

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Sie kennen sicher alle den sich durch die Jahrhunderte ziehenden Vierzeiler, der fälschlicherweise in der Form Angelus Silesius zugeschrieben wird und der lautet:

"Ich leb, und waiß nit wie lang,

Ich stirb und waiß nit wann,

Ich far und waiß nit, wohin,

Mich wundert, das ich so froelich bin."

Als Quelle wird vielmehr ein Grabspruch eines 1489 verstorbenen Magister Martinus von Biberach zu Heilbronn angegeben, über dessen Leben ansonsten nichts bekannt ist.

Auch Martin Luther kannte diesen Spruch und lehnte ihn aber ab als "Reim der Gottlosen", der nicht auf die Lebenssituation des Christen zutreffe, der ja wüsste woher er komme und wohin er gehe. Luther hatte sogar ein eigenes Gegengedicht verfasst:

"Ich lebe, solang Gott will,

ich sterbe, wann und wie Gott will,

ich fahr und weiß gewiß, wohin,

mich wundert, dass ich traurig bin!"

Man ist versucht zu sagen: Genau das war auch die Überzeugung Kardinal Königs.   

 

 

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Kardinal Königs Glaube an die Auferstehung

Die Frage nach Jesus Christus und seiner Auferstehung war für Kardinal König Zeit seines Lebens die zentrale Frage. Am Abend seines Lebens, im Jahr 1996, setzt er sich immer noch mit der Person Jesu auseinander, mit der Provokation seines Anspruches, Gottes Sohn zu sein. Und er verknüpft die großen Fragen der Menschheit mit der alles entscheidenden Frage: "Ist Jesus Christus ein großer Religionsführer der Menschheit, oder letztlich doch nur ein Mensch – oder spricht ein Vater im Himmel durch ihn, um so auf die letzten großen Fragen der Menschheit hinzuweisen und die Antwort zu geben. Das letztere ist die Überzeugung der Christen," fügte er immer hinzu und: "Damit ist und bleibt die Christusfrage eine Frage der Weltgeschichte.“

Aber schon 1951, als Professor in Salzburg, verknüpfte er den entscheidenden Unterschied der Person Jesu gegenüber den anderen großen Religionsstiftern, - seine Gottessohnschaft, die mit dem Eingottglauben unlöslich verbunden ist, - mit der Auferstehung: Und, so Franz König damals: "Die Auferstehung von den Toten, ohne von den übrigen Totenerweckungen zu sprechen, gehört zum apostolischen Fundament des Jesus-Glaubens. ‚Ist aber Christus nicht auferstanden, dann ist unsere Predigt hinfällig und hinfällig auch euer Glaube. Dann stehen wir als falsche Zeugen Gottes da‘ (1 Kor 15,15). Als im Apostelkollegium ein Ersatzmann für Judas gewählt werden sollte, wurde als Bedingung gesetzt, daß der betreffende eine Verkünder der Auferstehung Jesu sei (Apg. 1.21 f). Kein anderer Religionsstifter ist von den Toten auferstanden, bei keinem anderen Religionsstifter ist der Glaube an seine Auferstehung Grundlage seiner Religion geworden.

Jesus hat mit dem Tode und der Auferstehung eine neue Epoche der menschlichen Geschichte begonnen. Der Karfreitag, an dem er starb und der Ostertag, an dem er neues Leben gewann, tragen in sich die Keime einer großen Zukunft. Damit hat er auch Ziel und Ende der menschlichen Geschichte deutlich gemacht und gänzlich neue historische Perspektiven eröffnet.

Im Grunde bildet diese eine Wiederkunft der Auferstehung und seine Wiederkunft am Ende der menschlichen Geschichte ein einziges, in die Länge gezogenes, über die Jahrhunderte hin auseinandergefaltetes Ereignis."

In seinen sorgfältig vorbereiteten Begräbnisansprachen ging er am liebsten vom Gleichnis vom Weizenkorn aus, das, erst wenn es in die Erde versenkt und gestorben ist, reiche Frucht bringen kann – auferstehen kann und setzte es – vielleicht in Erinnerung an seine bäuerliche Herkunft – in Verbindung mit dem Rhythmus der Natur mit seinem Blühen und Vergehen, das aber immer wieder auf neues Leben hinweist. Damit baute er die Brücke von der Einsamkeit des Sterbens hin zu neuem Leben und reicher Frucht, eine Brücke aus der Welt des Vergehens in jene andere, von der uns Christus Nachricht gebracht hat und Zeugnis abgelegt hat durch sein Sterben und Auferstehen.

Und liebevoll stellte er dann immer alles das zusammen, was Schrift und Tradition in einer solchen Stunde an Trost und Hoffnung anzubieten haben, besonders gerne jenen Satz aus der geheimen Offenbarung, wo es heißt: "Dort wird der Tod nicht mehr sein, keine Trauer, keine Klage, keine Mühsal; denn was früher war, ist vergangen" (Off 21,4).

Auch den Völkerapostel Paulus führte er gerne als Zeugen an, der die Gemeinde von Thessalonich ermahnte, nicht so zu trauern, "wie die anderen, die keine Hoffnung haben. Wenn Jesus, - was wir glauben, - gestorben und auferstanden ist, dann wird Gott auch um Jesu willen die Verstorbenen mit ihm vereinen. Dann werden wir immer beim Herrn sein" (1 Thess 4, 13-14.17b-18)

Er sprach von der Wohnung, die im Himmel bereit steht und von den "rätselhaften Umrissen“, die unser menschliches Auge nur im trüben Spiegel erkennen kann und manchmal schien es, er sei schon gespannt, wie es sein wird, wenn auch er "von Angesicht zu Angesicht" schauen und "ganz erkennen“ wird (1 Kor 13,12).

Und meist schloss er mit den Worten: "In dieser großen Zuversicht des Glaubens, die Diesseits und Jenseits miteinander verbindet, bleiben wir einander verbunden, in der Gemeinschaft des Gebetes, des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe." Darum steht auch auf seinem Sterbebildchen: "Im Gebet verbunden."

 

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Zitate zur Auferstehung

Wer Ostern kennt, kann nicht verzweifeln.

(Dietrich Bonhoeffer)

Wer die Osterbotschaft gehört hat, der kann nicht mehr mit tragischem Gesicht herumlaufen und die humorlose Existenz eines Menschen führen, der keine Hoffnung hat.
(Friedrich Schiller)

Viele sagen: Alles stürzt zusammen, eine Welt stirbt! Ich aber sage: Eine Welt entsteht! Der Tod existiert, ja, aber Christus hat den Tod überwunden. Christus lebt!

(Michel Quoist)

Auferstanden, das ist: Aufgabe haben.
Auferstanden, das ist: Neuland sehen.
Auferstanden, das ist: Liebe schenken.
Auferstanden, das ist: vertrauen können.
                                                                                                      (Martin Gutl)

Komme, was mag. Gott ist mächtig! Wenn unsere Tage verdunkelt sind und unsere Nächte finsterer als tausend Mitternächte, so wollen wir stets daran denken, dass es in der Welt eine große, segnende Kraft gibt, die Gott heißt. Gott kann Wege aus der Ausweglosigkeit weisen. Er will das dunkle Gestern in ein helles Morgen verwandeln – zuletzt in den leuchtenden Morgen der Ewigkeit.
(Martin Luther King)

Durch den Tod werden wir ja keineswegs voneinander getrennt, denn wir alle gehen den gleichen Weg und werden uns am gleichen Ort wiederfinden.

(Symeon von Thessaloniki)

In Christus ist die Erde auferstanden. In ihm ist der Himmel auferstanden. In ihm ist die Welt auferstanden.
(Ambrosius)

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In diesem Sinne wünschen wir all unseren Besucherinnen und Besuchern ein fröhliches Allerheiligenfest und einen besinnlichen Allerseelentag!


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